Lichtverschmutzung – wenn die Sterne verschwinden

von Patrik Schellenbauer, Guido Schwarz

In städtischen Gebieten sind von blossem Auge nur noch wenige Sterne am Himmel auszumachen. Dafür verantwortlich ist nicht die Luftverschmutzung, sondern die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch schlechte Beleuchtungskörper. Die Organisation „Dark-Sky Switzerland“ kämpft gegen die „Lichtverschmutzung“.

Es mag paradox klingen: Obwohl wir heute über ein gewaltiges Wissen über den Aufbau des Universums verfügen, entfernen wir uns in unserem Alltag immer mehr vom gestirnten Himmel, unserem direkten Fenster ins All. Während der Anblick der Milchstrasse noch vor 100 Jahren den meisten Menschen vertraut war, gehört dieses majestätische Bild heute bei einem Grossteil der Bevölkerung nicht mehr zum Erfahrungsschatz. Woran liegt dies? Aber gerade eine Errungenschaft der modernen Zeit – nämlich die elektrische Beleuchtung – ist zur Hauptsache dafür verantwortlich. Die im Vergleich mit anderen Gütern immer billigere Energie sowie eine dramatische Effizienzsteigerung der Beleuchtungskörper haben dazu geführt, dass wir zu beinahe vernachlässigbaren Kosten unsere Häuser, Strassen, Siedlungen und Industriebauten beleuchten. Zweifellos hat dies unser Leben wesentlich angenehmer gemacht, die Nachteile werden aber bisher nur von wenigen wahrgenommen: der Sternenhimmel droht in der Flut von künstlicher Beleuchtung unterzugehen.

Licht wird durch Atmosphäre gestreut
Natürlich kann man sich immer noch auf eine Wiese zurückziehen, um die Sterne zu beobachten. Das Problem besteht aber nicht so sehr in der direkten Blendung durch künstliche Lichtquellen. Dieser kann man sich entziehen. Die schleichende Zerstörung eines dunklen Himmels entsteht dadurch, dass Licht, welches nach oben strahlt, nicht einfach in das All entweicht, sondern vorher an den Molekülen der Atmosphäre gestreut wird. So entsteht ein diffuses Leuchten, das die Objekte des Himmels vermehrt überstrahlt. Die meist hohe Luftfeuchtigkeit in unseren Breiten verstärkt diesen Effekt. Hinzu kommt, dass sich das Siedlungsgebiet noch immer ausdehnt, die Quellen dieses unerwünschten Streulichts also immer flächendeckender werden. In der Astronomie wird dieses Phänomen als „Lichtverschmutzung“ bezeichnet.

Abblenden statt blenden!
Das einzig Erfreuliche an dieser weitgehend unbekannten Form der Umweltverschmutzung besteht darin, dass sie grundsätzlich reversibel ist, indem weniger und vor allem sinnvoller beleuchtet wird. Natürlich kann das Rezept nicht darin bestehen, künstliche Beleuchtung zu verbieten oder drastisch einzuschränken. Es gibt aber einfache und kostengünstige Massnahmen, die einen Beitrag zur Reduktion der Lichtverschmutzung leisten. Allzu viele Beleuchtungen in unseren Siedlungen sind schlecht oder gar nicht abgeschirmt. Diese Beleuchtungen richten das Licht nicht an den Ort, an dem es eigentlich gebraucht wird, sondern zur Seite oder direkt nach oben. Ein typisches Beispiel hierfür sind die Kugellampen. Nicht abgeschirmte Beleuchtungen wirken dem primären Ziel der Beleuchtung, nämlich der Sicherheit, entgegen, da sie mehr blenden statt beleuchten. Machen Sie die Probe aufs Exempel!

Von oben statt von unten
Bei Industrie- und Gewerbebauten gehört es mittlerweile zum guten Ton, sie während der ganzen Nacht zu beleuchten, um auf eine originelle Architektur aufmerksam zu machen oder auch nur einen Namenszug zu betonen. Leider geschieht auch dies allzu oft in schlechter Weise, indem die Fassaden mit starken Spotlampen von unten angestrahlt werden. Die Lichtbündel werden an den Gebäudewänden reflektiert und strahlen in sehr steilem Winkel nach oben ab. In den Industrie- und Gewerbezonen und entlang den Autobahnen lassen sich Dutzende solcher Beispiele finden. Auch unzählige öffentliche Gebäude, darunter viele Kirchen und historische Bauwerke, werden von unten und damit schlecht beleuchtet. Eine Verbesserung für den Himmel kann mit relativ einfachen Mitteln erzielt werden. Der beinahe identische Beleuchtungseffekt lässt sich nämlich erzielen, indem die Fassaden von oben herab angestrahlt werden, so dass die abgelenkten Lichtbündel auf den Boden strahlen. So wird ein Grossteil der Lichtverschmutzung vermieden.

Gute Beleuchtung: vierfacher Vorteil
Gezielteres Beleuchten bringt im übrigen auch ökonomische Vorteile mit sich, indem ein beträchtlicher Teil der für Licht aufgewendeten Energie eingespart werden kann. Dies aus dem einfachen Grund, weil kein Licht mehr nutzlos nach oben oder zur Seite verpufft. Ausserdem sind lichtverschmutzungsarme Lampen kostengünstiger in der Wartung. So erbringt der sinnvollere Einsatz von künstlicher Beleuchtung eine vierfache Dividende in Form von finanziellen Vorteilen, erhöhter Sicherheit, der Erhaltung des Sternenhimmels, sowie ökologischen Verbesserungen (siehe unten). Der finanzielle Gewinn einer effizienteren Aussenbeleuchtung reicht indessen nicht aus, um einen genügenden Anreiz über das Portemonnaie herbeizuführen, der zur Verbesserung der Situation beiträgt. Es muss daher vorher ein Umdenken stattfinden. Aber der konkrete ökonomische Druck fehlt in der Schweiz. Um so mehr ist der bewusstere Umgang mit künstlicher Beleuchtung gefragt – von uns allen! (ps/gs)

Vogelwelt in Gefahr

von Andy Stauber
Die „Lichtverschmutzung“ kann auch das Verhalten von Zugvögeln beeinträchtigen. Vor allem Himmelsscheinwerfer – die sogenannten Sky-Beamer -, die von Discotheken zu Werbezwecken verwendet werden, führen zu Verhaltensänderungen bei nachts ziehenden Vögeln. Das Problem ist schon von Leuchttürmen her bekannt. In der Nacht orientieren sich die Vögel an einer Lichtquelle. Es ist schon vorgekommen, dass ganze Vogelschwärme verendet sind, weil sie orientierungslos in einen Leuchtturm geknallt sind. Bei den Sky-Beamern kennt man die Auswirkungen noch zuwenig. Aus Analogieschlüssen kann man aber sagen, dass sie sicher nicht unproblematisch sind. Für Bruno Bruderer, Leiter der Vogelzugsforschung der Vogelwarte Sempach, sind die Sky-Beamer vor allem ein Problem, wenn sie in vermehrtem Masse eingesetzt werden. Bruderer möchte darum die Gemeindebehörden für diese Thematik sensibilisieren, da diese letztlich die Bewilligung für den Einsatz von Sky-Beamern erteilen. (as)

Dark-Sky Switzerland erhält Unterstützung von der Internationalen Astronomischen Union

Die Internationale Astronomische Union (IAU) – die offizielle, internationale astronomische Dachorganisation – appelliert an alle Nationen der Erde, Richtlinien zu schaffen um den Nachthimmel zu schützen. Alle Aktivitäten diesbezüglich werden von der IAU ab sofort unterstützt. Neben Lichtverschmutzung bedrohen auch künstlich erzeugtes Radiorauschen, Weltraumschrott und leuchtende Werbeeinrichtungen ernsthaft die friedliche, kulturelle und wissenschaftliche Nutzung des Nachthimmels.

 

Light Pollution Symposium Athen 1999

Athen, die Griechische Hauptstadt liegt nahe dem Mittelmeer und ist mit seiner Lichtabstrahlung auch auf Satellitenaufnahmen bei Nacht gut erkennbar. Der im Sommer häufige Smog bewirkt, dass dann meist gar keine Sterne mehr sichtbar sind. Was für ein kultureller Verlust dies ist, wird einem erst klar, wenn man nach langer Zeit wieder einmal den sternenübersäten Himmel sehen kann. Es erstaunt deshalb nicht, dass in Griechenland heute zunehmend stärker erkannt wird, dass auch dieses „Gut“ geschützt werden muss!
Ein erster Eindruck am diesjährigen Light Pollution Symposium zeigt, dass deutlich mehr Frauen (Studentinnen) anwesend waren als Männer. Möglicherweise nimmt man hier in Griechenland Lichtsmog heute mehr als reale (Licht-)Verschmutzung wahr als in der Schweiz. Es sind uns z.B. in diesem Zusammenhang einige Lampen (einige Dutzend) aufgefallen, die ziemlich wahllos direkt den Himmel „beleuchteten“, ohne weiter einen Nutzen zu zeigen.
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Man erkennt auf dem Bild diverse nach oben gerichtete Halogenstrahler, die scheinbar wahllos gegen den Himmel strahlen – nicht einmal einfach dort, wo Bäume angepflanzt wurden

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Was uns hier auffällt, ist die ungewöhnlich hohe Anzahl von nach oben gerichteten Lampen; die Bäume sind in der Nacht taghell erleuchten!

Aus den interessanten Vorträgen möchten wir einige besonders hervorheben und in kurzen Zusammenfassungen darauf eingehen:

Vortrag von D. Crawford

athen99_d-_crawford Zwar war der Himmel über Athen in diesen Tagen erstaunlich klar und man konnte in der Nacht sogar mehr als zwei Sterne sehen. Trotzdem ist der Himmel über Athen recht hell erleuchtet, so dass bereits leichter Dunst eine für Sternenlicht undurchdringliche Barriere bildet.
Wie in vielen grossen und leider auch schon kleinen Städten hat diese unbedachte Lichtflut aber auch negative Folgen: Man muss letztlich die Fensterläden schliessen, weil die Nacht in der Stadt zu hell ist, um schlafen zu können (dieses Problem hatten wir auch im Hotel). Zuviel Licht am falschen Ort ist auch nicht gut, weil wir nicht nur das sehen, was wir sehen wollen (in diesem Fall Schäfchen?!) – Nacht ist nicht Tag….

Vortrag von Prof. Percy

athen99_prof-percy„Warum ist Astronomie nützlich und sinnvoll“
Die historische Entwicklung unserer Gesellschaftsform und unseres allg. Wissens ist ganz wesentlich durch die Astronomie geprägt und auch bestimmt. Dadurch erlangt die Astronomie auch einen hohen praktischen Nutzen. Diese Tatsache droht heute leider in Vergessenheit zu geraten, was vermieden werden sollte.
Er empfiehlt deshalb, gerade auch an Volksschulen verschiedene astronomische Aktivitäten zu fördern, so z.B.:

  • Sternzählung im grossen Wagen
    Dieses Sternbild kennen die meisten Leute und ist das ganze Jahr sichtbar. So lässt sich ganz einfach der Einfluss der nächtlichen Beleuchtung zeigen.
  • Lampentypen erforschen lassen und klassifizieren
    Mit ganz billigen Gitterspektrografen für ein paar Euro kann das jeder machen und der Einfluss auf un ser Nachtsehen damit bestimmen.
  • Sozialwirtschaftliche Aspekte für Regierung und Hersteller erarbeiten
    Dies ist natürlich eine Arbeit, die sich eher an Hochschulen richtet, aber gerade auch an solchen Instituten kann sinnvolle Arbeit geleistet werden.
  • Lampenverbreitung bestimmen
    So können Anzahl, Art und Dichte in Zusammenhang mit der Bevölkerungsdichte interessante Aspekte aufzeigen, auch im Zusammenhang mit der Ästhetik und dem gefühlsmässigem Nutzen.

Diese Daten sind letztlich für uns und die Gesellschaft von Morgen von grossem Nutzen.

Vortrag C. Palici di Suni
„Italiens Programm“
Im Umfeld der Sternwarte Turin wurden die gegenwärtige Situation der Himmelsaufhellung aufgezeichnet. Diese Daten sind in einen Gesetzesentwurf zum Schutz des Nachthimmels um die Sternwarten in Italien eingeflossen. In den aufgelisteten Schutzgebietszonen müssen Lampen neu den im Gesetz aufgeführten Bestimmungen entsprechen.
Nur so können diese Institute ihre Arbeit weiterverfolgen. Aber auch der Bevölkerung kommt die bessere Nutzung des künstlichen Lichtes zu Gute, denn ein gut beleuchteter Weg muss ja keinesfalls gleichzeitig ein hell erleuchteter Himmel bedeuten, was die Gesellschaft letztlich nur Unmengen an Strom kostet.

verschiedene Vorträge Griechischer Studenten
In verschieden Kurzvorträgen wurden einige Projekte vorgestellt, mit denen versucht wird, die Bevölkerung auf dieses Thema aufmerksam zu machen und die Folgen aufzuzeigen.
Besonders Interessant ist eine Arbeit über Schildkröten: die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten arg in Gefahr geraten: Der Grund ist so überraschen wie die Abhilfe einfach: da die ausgeschlüpften Jungtiere tendenziell stark in Richtung Lichtquellen losmarschieren und dann am Land verenden, anstatt ins Meer zu kriechen!
An verschiedenen Orten hat man bereits Abhilfe schaffen können, in dem man Lampen konsequent mit Farbe abschirmte. Neue Lampen müssen heute deshalb entsprechend Abgeschirmt gebaut sein. Es bleibt zu hoffen, dass diese Interessante Tierart nicht auch noch aussterben wird!

Eine sehr interessante Arbeit wurde in Japan gemacht:
Sie haben die Energieleistung in Form von Licht errechnet, die jährlich in den Himmel abgestrahlt wird und daraus die Stromkosten errechnet, die dadurch nutzlos verloren gehen. Dies ist recht viel und die Zahlen mögen erschrecken:
So werden durchschnittlich über rund 860 Millionen Kilowattstunden Strom in Form von Licht in den Himmel abgestrahlt. In Japan entspricht dies einem finanziellen Aufwand von umgerechnet etwa 1750 Millionen Euro an direkten Stromkosten!

Nach vorsichtigen Schätzungen ergeben sich für die Schweiz folgende Zahlen:
Die jährliche Abstrahlung in Form von Licht in den Himmel beträgt rund 51 Millionen Kilowattstunden. Wir können davon ausgehen, dass davon mindestens 2/3 in Form von nicht abgeschirmten, bzw. unzureichend abgeschirmten Lichtquellen stammt. Es bleiben also rund 34 Millionen Kilowattstunden Stromverbrauch, die nicht nur vermieden werden könnten, sondern auch dazu dienen würden, die gewünschten Objekte besser zu beleuchten! Oder anders Ausgedrückt: der Volkswirtschaft gehen allein in der Schweiz jährlich etwa 7 Millionen Franken (bzw. 4.3 Millionen Euro) an direkten Stromkosten dadurch verloren, dass anstelle des gewünschten Objektes einfach der Himmel beleuchtet wird.

Darin noch nicht eingerechnet sind die Kosten, die zwangsläufig entstehen, das eine Lichtquelle und deren Versorgung in dem Masse stärker (und dadurch kostenintensiver) ausgelegt werden muss, wie auch Licht sinnlos ungenutzt abgestrahlt wird! Man muss deshalb auch in der Schweiz mit deutlich höheren Unkosten rechnen – notabene ohne dass dadurch die gewünschten Objekte dunkler beleuchtet wären.
Angegliederte Ausstellung
Im Rahmen der angegliederten Ausstellung wurde vor allem Bildmaterial von den verschiedenen Arbeiten vorgestellt. Eine sehr interessante kleine Arbeit möchte ich hier noch hervorheben:
Mit einfachsten Mittel wurde ein Modell realisiert, dass anschaulich die Wirkung von verschiedenen Lampentypen zeigt: Strassen, Häuser, Parks und Werbung sind jeweils immerabwechslungsweise von zwei verschiedenen Lampen erhellt, immer je eine offene und eine abgeschirmte. Diese Lampen können abwechslungsweise ein- und ausgeschaltet werden. Der Effekt ist frappant, den entweder blenden die Glühlampen direkt oder aber man sieht nur die erhellten Objekte – dafür diese um vieles besser, obschon immer die gleiche Lichtstärke eingesetzt wird.

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Modellstadt

Skybeamer: Leuchttürme im Mittelland

von Philipp Heck, erschien in Orion, Zeitschrift für Amateurastronomie

Skybeamer werden zu einem immer ernsteren Problem – nicht nur für Amateurastronomen. Sicher haben Sie sich auch schon an Ihrem Beobachtungsplatz über Skybeamer geärgert. Wenn beispielsweise einer dieser Lichtfinger nervös in der Milchstrasse herumzündet und Ihre Hardcore-Deep-Sky-Beobachtungen stört oder es Ihnen verunmöglicht den Nordamerikanebel samt Pelikan zu photographieren.

Was sind Skybeamer?
Bei Skybeamern handelt es sich um sehr starke Himmelsscheinwerfer die zu Werbezwecken eingesetzt werden und mit nervösen Bewegungen auf Tanzlokale, Dorffeste, Zirkusse oder Bars aufmerksam machen. Oft handelt es sich auch um mobile, mietbare Einrichtungen, womit auch die Gefahr einer starken und unvorhersehbaren Verbreitung zunimmt. Skybeamer werden mit äusserst starken Entladungslampen (ca. 1500 – 2500 Watt) betrieben und wirken sich daher in einem grossen Umkreis von etlichen Kilometern schädlich auf den Nachthimmel aus.

Gefahr für die Vogelwelt
Nicht nur Amateurastronomen sind vom Problem betroffen. Viel gravierender kann sich diese Art von Lichtverschmutzung auf nachtaktive Tiere auswirken. So kann auch das Verhalten von Zugvögeln durch Skybeamer erheblich gestört werden und zu fatalen Verhaltensänderungen der nachts ziehenden Vögel führen. Das Problem ist schon von Leuchttürmen her bekannt. In der Nacht orientieren sich die Vögel an einer Lichtquelle. Es ist schon vorgekommen, dass ganze Vogelschwärme verendet sind, weil sie orientierungslos in einen Leuchtturm geknallt sind. Bei den Skybeamern kennt man die Auswirkungen noch zuwenig. Aus Analogieschlüssen kann man aber sagen, dass sie sicher nicht unproblematisch sind. Für Bruno Bruderer, Leiter der Vogelzugsforschung der Vogelwarte Sempach, sind die Skybeamer vor allem ein Problem, wenn sie in vermehrtem Masse eingesetzt werden. Bruderer möchte darum die Gemeindebehörden für diese Thematik sensibilisieren, da diese letztlich die Bewilligung für den Einsatz von Skybeamern erteilen.

Störung nächtlicher Ökosysteme
In spanischen Mittelmeerküste in Katalonien wurden systematische Beobachtungen von nachtaktiven Insekten durchgeführt. Die Insektenforscher haben festgestellt, dass gewisse Arten von Nachtfaltern überdurchschnittlich stark von hellen Beleuchtungskörpern angezogen werden und so eine leichte Beute für Fledermäuse und nachtaktive Vögel werden. Dadurch sind ganze Populationen bestimmter Spezies stark dezimiert worden und können das Überleben dieser Arten gefährden.

Die Aufhellung der nächtlichen Umgebung durch künstliche Beleuchtung stellt auch für viele andere nachtaktive Tiere, die sich ja in der Dunkelheit Schutz gewähren, ein sehr ernstzunehmendes Problem dar. Wissenschaftliche Untersuchungen in diese Richtung stehen erst am Anfang und in Europa werden nun erst langsam staatliche Mittel zur Finanzierung solcher Forschungsprojekte aufgewendet.

Beeinträchtigte Verkehrs- und Flugsicherheit
Anfragen von Dark-Sky Switzerland an die Gewerbepolizei der Stadt Zürich und die Flugsicherung Swisscontrol ergaben, dass es grundsätzlich jedem erlaubt ist einen Skybeamer ohne Bewilligung aufzustellen und zu betreiben, lediglich der Betrieb von Laseranlagen untersteht einer Bewilligungspflicht. Es gibt glücklicherweise jedoch einige Einschränkungen für den Betrieb von Skybeamern. So sind zum Beispiel im Bereich des Strassenverkehrs Ankündigungen die durch Ablenkung der Strassenbenützer die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, verboten (Art. 6 Strassenverkehrsgesetz). Dazu gehören insbesondere Strassenreklamen die blenden, blinken oder durch wechselnde Lichteffekte wirken und die sich bewegen oder projiziert werden (Art. 96 Abs. 1 lit. f und g Signalisationsverordnung): Skybeamer fallen eindeutig in diese Gruppe. Laut dem Chef der Gewerbepolizei der Stadt Zürich, Herrn A. Müller-Bosch ist somit in dicht überbauten städtischen Agglomerationen das Betreiben von Skybeamern nur beschränkt möglich. Ausserdem ist innerhalb der Flugsicherungskontrollzone in der nähe von Grossflughäfen (CTR) laut Swisscontrol eine Bewilligung notwendig, da Piloten durch Skybeamer geblendet werden können. Insbesondere im Anflugsbereich käme es zu einer ernsthaften Gefährdung der Flugsicherheit. Dies ist auch im Bundesgesetz über die Luftfahrt geregelt (Art. 15 Luftfahrtsgesetz): „Besondere polizeiliche Massnahmen, namentlich zur Wahrung der Flugsicherheit und zur Bekämpfung des Fluglärms, trifft das Bundesamt (Anm. des Autors: Bundesamt für Zivilluftfahrt) bei der Erteilung einer Bewilligung oder durch besondere Verfügung.“

Gesetzesvorlagen die konkret die Problematik von Skybeamern behandelt, gibt es nach unserem Wissen in der Schweiz zur Zeit nicht. In Italien und Spanien sind bereits Gesetzesvorschläge dazu der Regierung vorgelegt worden. Dark-Sky Switzerland sucht noch interessierte Personen, die sich insbesondere mit der rechtlichen Situation bezüglich der Lichtverschmutzung auseinandersetzen möchten. Wenn Sie sich davon angesprochen fühlen, um in einem neuen Gebiet Pionierarbeit zu leisten, schreiben Sie an Dark-Sky Switzerland, Postfach, CH-8135 Langnau am Albis oder per E-Mail an: office@nulldarksky.ch.

Literaturangaben

[1] Gefahr für die Vogelwelt, Andy Stauber, Zürcher Unterländer, Dielsdorf 1998.

[2] Premier congrès européen pour la protection du ciel nocturne, Paris, 1998.

[3] Korrespondenz mit Gewerbepolizei Stadt Zürich und Swisscontrol, Marc Pesendorfer, DSS, Mandach, 1998.

Anmerkung der Redaktion (2016):
Skybeamer sind heute in vielen Kantonen und Gemeinden explizit verboten. Die Adresse von Dark-Sky Switzerland wurde an die heute gültige angepasst (damals Stäfa).

» Leuchttürme im Mittelland (pdf Auszug Orion)

 

Pilatus by Night

von Philipp Heck, im Frühling 1997

Erschien am 26. April 1997 in der Neuen Luzerner Zeitung,
Reaktion von DSS auf die erlaubte Beleuchtung des Luzerner Hausbergs Pilatus

Der Bundesgerichtsentscheid zugunsten der nächtlichen Beleuchtung des Pilatus hat nicht nur Heimatschützer, Umweltschützer und Naturfreunde beunruhigt.

Seit etwa einem Jahr gibt es Dark-Sky Switzerland, eine Fachgruppe der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft (SAG), die sich mit dem Problem der Lichtverschmutzung befasst. Man bezeichnet mit Lichtverschmutzung die durch Menschen verursachte, also künstliche Aufhellung des Nachthimmels, die Sterne zum Verschwinden bringt. Der Himmel über grossen Teilen des Mittellands ist schon seit langem durch falsch konzipierte Aussenbeleuchtung so stark aufgehellt, dass die Astronomen ihre Beobachtungen von den Alpen und Voralpen aus durchführen müssen. Die deutsche Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ spricht von der künstlich beleuchteten Erde, die wie ein „illuminierter Musikdampfer“ durch den Weltraum treibt.

Der am 16. April gefällte Bundesgerichtsentscheid, der eine weitere Beleuchtung des Pilatus erlaubt, kommt daher den meisten Astronomen und Amateur-Astronomen als Schreckensnachricht entgegen. Nun ist auch der bis anhin dunkle, mit Sternen übersähte Himmel der zentralschweizer Voralpen ernsthaft gefährdet. Durch die Scheinwerfer werden ja nicht nur die Gipfel des Pilatus beleuchtet, sondern ihr Licht wird in der Atmosphäre gestreut und führt so zu einer Aufhellung des Himmels auch in der weiteren Umgebung. Sterne, kosmische Nebel und andere Himmelsobjekte deren Licht nun zu schwach ist „ertrinken“ sozusagen im künstlich aufgehellten Himmel und bleiben uns verborgen. So war aus hell beleuchteten Orten selbst vom ausserordentlich hellen Kometen Hale-Bopp nur ein kleiner kümmerlicher Schweif zu sehen. Das wahre Schauspiel zeigte sich dann erst aus noch dunklen Regionen in den Alpen und Voralpen.

Die Mitarbeiter von Dark-Sky Switzerland befürchten nun eine verstärkte Lichtverschmutzung in den Alpen, dem eigentlich letzten Gebiet in der Schweiz wo der Himmel von Kunstlicht weitgehend ungestört betrachtet werden kann. Wie lange geht es noch, bis das Matterhorn und andere touristisch wichtige Berge beleuchtet werden? Man scheint die Entwicklung schon im voraus erahnt zu haben: Die modernen Grossteleskope stehen längst an abgelegen Standorten wie auf La Silla und Paranál in der chilenischen Atacama-Wüste oder auf Inseln mit strengen Beleuchtungsvorschriften wie La Palma und Hawaii.

Das Problem liesse sich dabei mit einfachen Mitteln erheblich reduzieren. Sinnvoll abgeschirmte Lampen strahlen ihr Licht dorthin ab wo es gebraucht wird und nicht nach oben in den Himmel. Solche Lösungen sind auch aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten günstiger.

Es wäre schade, wenn der Sternenhimmel in Zukunft nur noch in Planetarien zu erleben wäre.