Symposium über Lichtverschmutzung

Quelle Agroscope: <https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/aktuell/newsroom/2021/03-17_naechtliche-beleuchtung/praesentationen.html>

Nach der Begrüssung durch Eva Knop und nach einer obligatorischen Panne mit der Software informierte Lukas Schuler über den Trend der Lichtverschmutzung und Annahmen von Dark-Sky Switzerland zur laufenden Entwicklung. Er machte klar, dass leider die erfreulichen leichten Reduktionen von 2020 teils nur temporär sind (z.B. Pandemie und Flughafen Zürich) und mehrheitlich durch Veränderungen der globalen Situation (Klimawandel, zunehmend mehr privates Licht) kompensiert werden.
Letztlich ist jeder Licht-Einkäufer für die Anzahl Lumen mitverantwortlich und sollte sich daran erinnern, dass eine 60 Watt Glühbirne nicht viel mehr als 800 Lumen hatte und für den Aussenbereich meistens vollkommen ausreichte.
Durch die technologischen Fortschritte wird im privaten Bereich viel Energie gespart und dennoch mehr Licht produziert. Auch die Architektur mit hohen Glasfronten entlässt mehr Licht in den Aussenraum. Im öffentlichen Bereich ist das Problem inzwischen vielerorts besser erkannt und wird bereits durch sensorisches und qualitativ besseres Licht, bzw. mehr Dunkelheit bei fehlender Nutzung gelöst.

Die Evolutionsbiologin Eva Knop wies auf die störenden Einflüsse des Kunstlichts auf die Inneren Uhren von Nachtfaltern und Pflanzen hin. Deren Fortpflanzung und Überleben kann beeinträchtigt werden.
Wenn die nächtlichen Blütenbesuche wegen Beleuchtung durch eine 4000 Kelvin LED Strassenleuchte abnehmen, so fehlt in der Folge auch den tagaktiven Insekten der reiche Bestand der Blütenpflanzen. Die Ökosystemleistung der Bestäuber ist für die Agrarwirtschaft viele Millionen wert und kann schlecht durch Technologie kompensiert werden.

„Impact of artificial light at night on diurnal plant-pollinator interactions“ Simone Giavi et al.
<https://www.nature.com/articles/s41467-021-22011-8>

Simone Giavi konnte in seiner Forschungsarbeit zeigen, dass im Gegensatz zur grossen Mehrheit der Nachtfalter ein spezieller Falter, die «Lichtnelken-Eule», nicht vom Licht angezogen wird. Er meidet vielmehr die 4000 Kelvin LED Strassenleuchte und bemüht sich gerade deshalb vor allem um die Blüten der «Weissen Lichtnelke» im Schatten neben den Lichtquellen. Die weibliche «Lichtnelken-Eule» ist besonders interessant, weil sie die Blüten bestäubt, und gleichzeitig ihre Eier darin ablegt. Wenn später der Same reift, ernähren sich die Raupen des Falters von der Pflanze. Das heisst, im Umkreis-Schatten um die Leuchte, erleiden die Weissen Lichtnelken die grössten Fortpflanzungsverluste. Wo immer eine LED Leuchte neben einer intakten Blumenwiese auftaucht, ist also mit Veränderungen der Zusammensetzung auch in der angrenzenden Dunkelheit zu rechnen.

„Artificial light at night can modify ecosystem functioning beyond the lit area“ Somine Giavi et al.
<https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32681056/>

Janine Bolliger hat untersucht, wie sich verschiedene LED Strassenleuchten von 1750 Kelvin, 3000 Kelvin oder 4000 Kelvin auf die Insektenwelt auswirken, mit einer herkömmlichen Optik und mit einem zusätzlichen zylindrischen Streuglas, das die optische Sichtbarkeit der Lichtquelle vergrössert.
Es wurden Insekten in speziellen Fallen gefangen und ausgewertet, um eine Aussage über das Ausmass der Störung für verschiedene Artengruppen zu erhalten.

Zusammenfassend stellte sie fest, dass das wärmere Spektrum für die Insekten in der Tat fast immer besser war, nicht jedoch bei einigen Zweiflüglern und Fliegenarten. Wie ein Biologe in der Diskussion richtig bemerkte, sind diese an Gewässer gebunden. Die Dunkelkontrollen zeigen klar, dass jede LED Lichtquelle für öffentliche Beleuchtung für Insekten störend ist und dass eine grössere Optik in fast jedem Fall eine höhere Anlockwirkung hat.

Publikation in Vorbereitung
Bolliger et al.

Felix Liechti schliesslich fasste die Einflüsse von Licht auf die Vogelwelt zusammen.
Hohe erleuchtete Gebäude irritieren die Zugvögel. Auch kann das Landeverhalten der Vögel beeinflusst werden. Und Brutvögel verschieben ihre Aktivitäten oder ihren Gesang, wenn sie Lichtquellen ausgesetzt sind.

Er plädierte dafür, dass man hohe Strukturen nicht zur Falle für Zugvögel werden lässt, und dass Feuchtgebiete und Gewässer im Dunklen belassen werden.

Er rief in Erinnerung, dass jede Beleuchtung im Aussenraum einen Einfluss auf die Natur hat, und daher der Einsatz immer im Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen stehen muss.

Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht
<https://vogelglas.vogelwarte.ch/assets/files/broschueren/voegel_glas_licht_2012.pdf>

In der abschliessenden Diskussion waren die anwesenden Lichtplaner, Elektroplaner und Dark-Sky Switzerland sich einig, dass die verfügbare Technologie bereits jetzt gute und vernünftige Lösungen erlaubt, und dass es auch brauchbare Industriestandards im Markt gibt. Im Gegensatz zu unserem Fortschrittsglauben spürt man den Willen des Bundes leider nicht, solche guten Lösungen auch innert nützlicher Frist einzufordern. So bleibt es derzeit an privater oder behördlicher Initiative hängen, ob Projekte nachhaltig für Ökologie, Umwelt und Gesundheit ausgeführt werden, oder ob das kurzfristige wirtschaftliche Interesse im Vordergrund steht.

Solothurner Zeitung – Wie viel Licht in der Nacht? Das fordern die Grünen mit Vorstoss – und das sagen Tourismusdirektor und Lichtexperten dazu

Solothurn · Licht gibt der Nacht so vieles: Sicherheit und schön erleuchtete Gebäude. Die Schattenseite: Licht braucht Energie und hat einen negativen Einfluss auf die Fauna und den Menschen. Die Grünen haben im Gemeinderat eine Motion eingereicht, die ein Anleuchtungskonzept verlangt.

» Wie viel Licht in der Nacht? Das fordern die Grünen mit Vorstoss – und das sagen Tourismusdirektor und Lichtexperten dazu

Dark-Sky Switzerland: Solothurns Lichtemissionen sind gering im Vergleich zu den grossen Schweizer Städten (Gelbgrün). Solothurn befindet sich innerhalb Gemeinden mit vergleichbaren Einwohnerzahlen im Mittelfeld (Rot). Zum Beispiel sind Pratteln oder Sierre wesentlich heller, Cham oder Illnau-Effretikon dunkler.

 

Anzeiger von Wallisellen – Bund soll das Insektensterben stoppen

Insekten sind für ein funktionierendes Ökosystem unerlässlich. Doch viele Insektenarten sind bedroht. Nun hat der Nationalrat eine Motion der Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie angenommen, in welcher der Bundesrat zu raschem Handeln aufgefordert wird.

» Bund soll das Insektensterben stoppen (pdf)

 

Regionaljournal Aargau Solothurn – Weissenstein: Widerstand gegen die neuen Scheinwerfer

Umweltorganisationen haben Einsprachen gemacht. Ihrer Ansicht nach verursachen die drei starken Scheinwerfer auf dem Solothurner Hausberg Lichtverschmutzung. Das sei eine Gefährdung für Vögel und es störe auch die Menschen. Das Baugesuch liegt auf, obwohl die Scheinwerfer schon neu gebaut wurden.

» Weissenstein: Widerstand gegen die neuen Scheinwerfer

 

Solothurner Zeitung – Weissenstein: Umweltverbände erheben Einspruch: Die drei Hellsten sollen nicht die ganze Nacht leuchten

Umweltverbände werden Einsprache gegen die neuen Lichter auf dem Kurhaus Weissenstein erheben, da sie einen starken Einfluss auf die Natur haben.

» Umweltverbände erheben Einspruch: Die drei Hellsten sollen nicht die ganze Nacht leuchten

Dark-Sky Switzerland: Wenn eine Beleuchtung technisch ersetzt wird, untersteht sie den geltenden Lichtnormen und muss deshalb auf deren Einhaltung überprüft werden. Es gilt die beste Lösung unter allen technischen, wirtschaftlichen, kulturellen und umweltrelevanten Aspekten zu finden. Weil heutzutage Licht nicht teuer ist, und die Technik alles kann, verlangen wir generell Qualität statt Quantität.

Buchhinweis – Streifzüge durch die Nacht

Buchhinweis von Dark-Sky Switzerland

Streifzüge durch die Nacht

Der Autor Dirk Liesemer erkannte, dass die Nacht ihm im Laufe seines Lebens als Erwachsener fremd geworden war, eine Unbekannte – so, wie sie es den meisten Mitteleuropäern ist. Er beschloss, sie neu zu entdecken und darüber zu berichten.

Er begrenzte sich dabei auf den deutschsprachigen Raum, war zunächst allein oder mit guten Freunden unterwegs, dann mit offenen Fragen an weitere nachtaktive Menschen, die ihn z.B. über Wildtiere aufklären, über die besonderen Geräuschkulissen, Farben, Lichter, Gerüche, über seltene Arten und Gebräuche der Nacht.

Als LeserIn fühlt man sich vom Autoren an der Hand genommen, man darf Einblick nehmen in seine Unternehmungen, Gedanken und Ängste in der Dunkelheit. Umgekehrt begegnen wir einer reichen Palette von Menschen, die nachts unterwegs sind, arbeiten oder einer Tradition – vom Hexenfest bis zur Wattwanderung – nachgehen.

Immer wieder hält der Autor inne und zieht seine Schlüsse aus dem Erlebten. Wir können uns diesen anschliessen oder anderer Meinung sein. Die Transparenz seiner Gedankenwelt erhellt jedenfalls viel über ihn und auch uns selber, sofern wir uns seinem Ansinnen aussetzen.

Es ist nicht das erste Buch, das uns die Nacht wieder näher bringt. Ich empfinde es aber als sehr angenehm zu Lesen und gut recherchiert. Es ist eine Entdeckerlektüre, die einem roten Faden folgt, der uns – ohne dass wir frieren oder uns fürchten müssten, und ohne dass wir Strapazen erleiden – bequem vom Sessel aus mitnimmt und Mut macht zu mehr Nacht.

Bildtafeln in der Buchmitte ergänzen das Erlebte und werden im Text zitiert.

Dirk Liesemer:
Streifzüge durch die Nacht
Wie ich unsere Heimat neu entdeckte
MALIK-Verlag 2020
ISBN 978-3-89029-530-5