

{"id":11396,"date":"2019-11-24T13:20:08","date_gmt":"2019-11-24T12:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.darksky.ch\/dsx\/?p=11396"},"modified":"2022-05-04T11:11:52","modified_gmt":"2022-05-04T09:11:52","slug":"the-guardian-lichtverschmutzung-ist-ein-schluesselfaktor-des-insektensterbens-uebersetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/2019\/11\/the-guardian-lichtverschmutzung-ist-ein-schluesselfaktor-des-insektensterbens-uebersetzung\/","title":{"rendered":"The Guardian \u2013 Lichtverschmutzung ist ein Schl\u00fcsselfaktor des Insektensterbens (\u00dcbersetzung)"},"content":{"rendered":"<p><em>Original-Text: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2019\/nov\/22\/light-pollution-insect-apocalypse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>The Guardian \u2013\u00a0Light pollution is key &#8218;bringer of insect apocalypse&#8216;<\/strong><\/a><br \/>\nNachfolgend die freie \u00dcbersetzung auf Deutsch durch Dark-Sky Switzerland.<\/em><\/p>\n<p>Die bisher umfassendste \u00dcberpr\u00fcfung aller vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse besagt: <strong>Lichtverschmutzung ist ein bedeutender, aber vernachl\u00e4ssigter Faktor f\u00fcr den schnellen R\u00fcckgang der Insektenpopulationen.<\/strong><\/p>\n<p>Kunstlicht in der Nacht kann jeden Aspekt des Lebens von Insekten beeinflussen, sagen die Forscher, von der Anziehung der Nachtfalter um die Gl\u00fchbirnen bis zu deren Tod, \u00fcber das Anstrahlen von Insektenbeute f\u00fcr Ratten und Kr\u00f6ten, bis zur \u00dcberstrahlung der Paarungssignale von Gl\u00fchw\u00fcrmchen.<\/p>\n<p>\u00abWir sind fest davon \u00fcberzeugt, dass Kunstlicht in der Nacht \u2013 in Verbindung mit Lebensraumverlust, chemischer Verschmutzung, invasiven Arten, und dem Klimawandel \u2013 den Insektenschwund antreibt\u00bb, folgerten die Wissenschaftler <strong>nach Auswertung von mehr als 150 Studien.<\/strong> \u00ab<\/p>\n<p>\u00abWir gehen davon aus, dass Kunstlicht bei Nacht eine weitere wichtige, aber oft \u00fcbersehene Ursache des Insektensterbens ist.\u00bb<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu anderen Treibern des R\u00fcckgangs sei die Lichtverschmutzung jedoch relativ einfach zu verhindern, sagt das Team: Indem man unn\u00f6tige Lichter ausschaltet und geeignete Abschirmungen einsetzt. \u00abDadurch konnten (in den Studien) Insektenverluste sofort erheblich reduziert werden.\u00bb<\/p>\n<p>Brett Seymoure, ein Verhaltens\u00f6kologe an der Washington Universit\u00e4t in St. Louis und f\u00fchrender Autor der Metastudie, sagt: \u00abKunstlicht bei Nacht ist eine vom Menschen verursachte Lichtemission \u2013 von der Strassenbeleuchtung bis zur Gasfackel bei der \u00d6lgewinnung. Es kann Insekten in so ziemlich jedem erdenklichen Aspekt ihres Lebens beeintr\u00e4chtigen.\u00bb<\/p>\n<p>In Deutschland und Puerto Rico wurde \u00fcber den Zusammenbruch der Insektenpopulation berichtet, und die erste globale wissenschaftliche Studie, die im Februar ver\u00f6ffentlicht wurde, ergab, dass ein weit verbreiteter R\u00fcckgang einen \u00abkatastrophalen Zusammenbruch der \u00d6kosysteme der Natur\u00bb zu verursachen drohe.<\/p>\n<p>In der neuesten Rezension heisst es: \u00abAuf der ganzen Welt nehmen Insekten rapide ab. Ihre Abwesenheit h\u00e4tte verheerende Folgen f\u00fcr das Leben auf diesem Planeten.\u00bb<\/p>\n<p>Es wird angenommen, dass es Millionen von Insektenarten gibt, die der Wissenschaft noch weitgehend unbekannt sind, <strong>und etwa die H\u00e4lfte davon sind nachtaktiv. Die am Tag aktiven Insekten k\u00f6nnen auch nachts, wenn sie im Ruhezustand sind, durch Licht gest\u00f6rt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Die in der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0006320719307797\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Biological Conservation<\/a> ver\u00f6ffentlichte Analyse h\u00e4lt fest, dass Farmer Licht seit langem bewusst zur Bek\u00e4mpfung von Insekten einsetzen. Und weil sich die Siedlungsstrukturen des Menschen ausdehnen und die Kosten f\u00fcr Beleuchtung gesunken sind, hat die Lichtverschmutzung inzwischen ein Viertel der Landfl\u00e4che der Welt erfasst.<\/p>\n<p>Die bekannteste Auswirkung der Lichtverschmutzung sind Nachtfalter, die um eine Gl\u00fchbirne herum flattern und sie mit dem Mond verwechseln. Ein Drittel der Insekten, die in die Umlaufbahn solcher Leuchten geraten, sterben vor dem Morgen, entweder durch Ersch\u00f6pfung \u2013 oder sie werden gefressen.<\/p>\n<p>Neuste Untersuchungen in Grossbritannien haben gr\u00f6ssere Verluste von Nachtfaltern an lichtverschmutzten Standorten gefunden, als an dunklen. Autoscheinwerfer stellen eine t\u00f6dliche, bewegte Gefahr dar. Deren letale Anziehung wurde auf 100 Milliarden Insektentode pro Sommer f\u00fcr Deutschland gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Kunstlicht behindert auch manche Insekten, ihren Partner zu finden, leicht verst\u00e4ndlich bei Gl\u00fchw\u00fcrmchen, die w\u00e4hrend der Balz biolumineszierende Signale austauschen.<\/p>\n<p>Einige Insekten erkennen die Polarisation des Lichts, um das Wasser zu finden, das sie zur Brut ben\u00f6tigen, da sich die Lichtwellen nach der Reflexion an einer glatten Oberfl\u00e4che ausrichten. Aber k\u00fcnstliches Licht kann dies sabotieren: \u00abEintagsfliegen leben nur einen Tag, also schl\u00fcpfen sie und suchen nach polarisiertem Licht. Sie finden es \u2013 aber es ist vom Asphalt reflektiertes Licht \u2013 sie legen dort ihre Eier, und alle sterben. Das ist ein guter Weg, um ein ganzes Volk in 24 Stunden auszul\u00f6schen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Metamorphose von Insektenlarven, wie z.B. Feldgrillen, wird ebenfalls durch Lichtverschmutzung negativ beeinflusst, sie ver\u00e4ndert die subjektiv wahrgenommene Dauer von Tag und Nacht.<\/p>\n<p><strong>Die Metastudie ergab, dass Lichtverschmutzung die Nahrungssuche st\u00f6ren kann. Insekten, die Licht meiden, wie z.B. Weta, die riesigen, flugunf\u00e4higen Grillen in Neuseeland, verbringen in lichtverschmutzten Gebieten weniger Zeit mit der Nahrungssuche.<\/strong><\/p>\n<p>Insekten sind eine wichtige Beute f\u00fcr viele Arten, Lichtverschmutzung kann jedoch das Gleichgewicht zugunsten der Raubtiere kippen, wenn sie die Insekten gezielt im Bereich von Beleuchtungen fangen. Spinnen, Flederm\u00e4use, Ratten, Watv\u00f6gel, Geckos und Aga-Kr\u00f6ten wurden beim Fressen um Lichtquellen beobachtet. Solche Erh\u00f6hungen des Risikos durch R\u00e4uber k\u00f6nnten wahrscheinlich das schnelle Aussterben der betroffenen Arten verursachen, sagen die Forscher.<\/p>\n<p>Die Forscher sagen ausserdem, dass die Lichtverschmutzung gerade f\u00fcr Insekten besonders schwer zu bew\u00e4ltigen ist. Die meisten andern vom Menschen verursachten Bedrohungen f\u00fcr Insekten haben nat\u00fcrliche Parallelen, wie Klimawandel und invasive Arten, so dass eine gewisse Anpassung stattfinden k\u00f6nnte. Der t\u00e4gliche Zyklus von Licht und Dunkelheit hingegen ist durch die gesamte Evolution hindurch nahezu konstant geblieben.<\/p>\n<p><strong>Allerdings ist Lichtverschmutzung zugleich jene Bedrohung f\u00fcr Insekten, die Menschen am einfachsten vermindern k\u00f6nnen.<\/strong> Seymoure: \u00abSobald man ein Licht ausmacht, ist es weg. Sie m\u00fcssen nicht hingehen und aufr\u00e4umen, wie bei den meisten Schadstoffen. Ich sage nicht, dass wir das Licht nachts loswerden m\u00fcssen, ich denke, wir m\u00fcssen es nur klug nutzen.\u00bb<\/p>\n<p>Das einfache Ausschalten von Leuchten, die nicht ben\u00f6tigt werden, ist die offensichtlichste Massnahme, sagte er, auch Sensor gesteuertes Ein- und Ausschalten der Lichter reduziert die Lichtverschmutzung. Lichter abzuschirmen, damit nur der ben\u00f6tigte Bereich beleuchtet wird, ist ebenso wichtig wie die Vermeidung von blau-weissem Licht, das den t\u00e4glichen Rhythmus st\u00f6rt. Auch LED-Leuchten lassen hoffen, da sie leicht optimiert werden k\u00f6nnen, um sch\u00e4dliche Farben und Flimmerraten zu vermeiden.<\/p>\n<p>\u00abDer Beweis, dass Lichtverschmutzung tiefgreifende und schwerwiegende Auswirkungen auf die \u00d6kosysteme hat, ist \u00fcberw\u00e4ltigend stark\u00bb, sagte Matt Shardlow, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Umweltschutzorganisation Buglife. \u00abEs ist unerl\u00e4sslich, dass die Gesellschaft jetzt wesentliche Schritte unternimmt, um die Umwelt f\u00fcr Insekten sicherer zu machen.<\/p>\n<p>Ein nationales, gesetzlich durchsetzbares Lichtreduktionsziel w\u00e4re der geeignetste n\u00e4chste Schritt.\u00bb Er sagt, dass die neuen Leitlinien der britischen Regierung zur Lichtverschmutzung h\u00e4tten das Insektensterben jedoch nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Prof. Nigel Raine, Best\u00e4ubungs-Experte an der Guelph University in Kanada, der nicht an der Metastudie beteiligt ist, sagt: \u00abLichtverschmutzung k\u00f6nnte erhebliche Auswirkungen auf die Insektenpopulation, die Arten oder die Insektengemeinschaft haben.\u00bb<\/p>\n<p>Er sagt, dass die Wissenschaftler dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken sollten: \u00abAber es k\u00f6nnte zu fr\u00fch sein, um zu sagen, dass die Auswirkungen genauso signifikant seien wie bei anderen Stressoren.\u00bb<\/p>\n<p>Seymoure meint, dass es darum nicht mehr Forschung \u00fcber die Wirkung von Lichtverschmutzung auf Insekten gebe, weil auch \u00d6kologen halt lieber bei Tag arbeiten&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Original-Text: The Guardian \u2013\u00a0Light pollution is key &#8218;bringer of insect apocalypse&#8216; Nachfolgend die freie \u00dcbersetzung auf Deutsch durch Dark-Sky Switzerland. 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