

{"id":13176,"date":"2021-03-31T18:02:06","date_gmt":"2021-03-31T16:02:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.darksky.ch\/dsx\/?p=13176"},"modified":"2025-05-30T14:04:31","modified_gmt":"2025-05-30T12:04:31","slug":"symposium-ueber-lichtverschmutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/2021\/03\/symposium-ueber-lichtverschmutzung\/","title":{"rendered":"Symposium \u00fcber Lichtverschmutzung"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Quelle Agroscope: &lt;<a href=\"https:\/\/www.agroscope.admin.ch\/agroscope\/de\/home\/aktuell\/newsroom\/2021\/03-17_naechtliche-beleuchtung\/praesentationen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.agroscope.admin.ch\/agroscope\/de\/home\/aktuell\/newsroom\/2021\/03-17_naechtliche-beleuchtung\/praesentationen.html<\/a>&gt;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach der Begr\u00fcssung durch Eva Knop und nach einer obligatorischen Panne mit der Software informierte Lukas Schuler \u00fcber den Trend der Lichtverschmutzung und Annahmen von Dark-Sky Switzerland zur laufenden Entwicklung. Er machte klar, dass leider die erfreulichen leichten Reduktionen von 2020 teils nur tempor\u00e4r sind (z.B. Pandemie und Flughafen Z\u00fcrich) und mehrheitlich durch Ver\u00e4nderungen der globalen Situation (Klimawandel, zunehmend mehr privates Licht) kompensiert werden.<br \/>\nLetztlich ist jeder Licht-Eink\u00e4ufer f\u00fcr die Anzahl Lumen mitverantwortlich und sollte sich daran erinnern, dass eine 60 Watt Gl\u00fchbirne nicht viel mehr als 800 Lumen hatte und f\u00fcr den Aussenbereich meistens vollkommen ausreichte.<br \/>\nDurch die technologischen Fortschritte wird im privaten Bereich viel Energie gespart und dennoch mehr Licht produziert. Auch die Architektur mit hohen Glasfronten entl\u00e4sst mehr Licht in den Aussenraum. Im \u00f6ffentlichen Bereich ist das Problem inzwischen vielerorts besser erkannt und wird bereits durch sensorisches und qualitativ besseres Licht, bzw. mehr Dunkelheit bei fehlender Nutzung gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die Evolutionsbiologin Eva Knop wies auf die st\u00f6renden Einfl\u00fcsse des Kunstlichts auf die Inneren Uhren von Nachtfaltern und Pflanzen hin. Deren Fortpflanzung und \u00dcberleben kann beeintr\u00e4chtigt werden.<br \/>\nWenn die n\u00e4chtlichen Bl\u00fctenbesuche wegen Beleuchtung durch eine 4000 Kelvin LED Strassenleuchte abnehmen, so fehlt in der Folge auch den tagaktiven Insekten der reiche Bestand der Bl\u00fctenpflanzen. Die \u00d6kosystemleistung der Best\u00e4uber ist f\u00fcr die Agrarwirtschaft viele Millionen wert und kann schlecht durch Technologie kompensiert werden.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Impact of artificial light at night on diurnal plant-pollinator interactions&#8220;\u00a0Simone Giavi et al.<br \/>\n&lt;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-021-22011-8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-021-22011-8<\/a>&gt;<\/p><\/blockquote>\n<p>Simone Giavi konnte in seiner Forschungsarbeit zeigen, dass im Gegensatz zur grossen Mehrheit der Nachtfalter ein spezieller Falter, die \u00abLichtnelken-Eule\u00bb, nicht vom Licht angezogen wird. Er meidet vielmehr die 4000 Kelvin LED Strassenleuchte und bem\u00fcht sich gerade deshalb vor allem um die Bl\u00fcten der \u00abWeissen Lichtnelke\u00bb im Schatten neben den Lichtquellen. Die weibliche \u00abLichtnelken-Eule\u00bb ist besonders interessant, weil sie die Bl\u00fcten best\u00e4ubt, und gleichzeitig ihre Eier darin ablegt. Wenn sp\u00e4ter der Same reift, ern\u00e4hren sich die Raupen des Falters von der Pflanze. Das heisst, im Umkreis-Schatten um die Leuchte, erleiden die Weissen Lichtnelken die gr\u00f6ssten Fortpflanzungsverluste. Wo immer eine LED Leuchte neben einer intakten Blumenwiese auftaucht, ist also mit Ver\u00e4nderungen der Zusammensetzung auch in der angrenzenden Dunkelheit zu rechnen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Artificial light at night can modify ecosystem functioning beyond the lit area&#8220;\u00a0Somine Giavi et al.<br \/>\n&lt;<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/32681056\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/32681056\/<\/a>&gt;<\/p><\/blockquote>\n<p>Janine Bolliger hat untersucht, wie sich verschiedene LED Strassenleuchten von 1750 Kelvin, 3000 Kelvin oder 4000 Kelvin auf die Insektenwelt auswirken, mit einer herk\u00f6mmlichen Optik und mit einem zus\u00e4tzlichen zylindrischen Streuglas, das die optische Sichtbarkeit der Lichtquelle vergr\u00f6ssert.<br \/>\nEs wurden Insekten in speziellen Fallen gefangen und ausgewertet, um eine Aussage \u00fcber das Ausmass der St\u00f6rung f\u00fcr verschiedene Artengruppen zu erhalten.<\/p>\n<p>Zusammenfassend stellte sie fest, dass das w\u00e4rmere Spektrum f\u00fcr die Insekten in der Tat fast immer besser war, nicht jedoch bei einigen Zweifl\u00fcglern und Fliegenarten. Wie ein Biologe in der Diskussion richtig bemerkte, sind diese an Gew\u00e4sser gebunden. Die Dunkelkontrollen zeigen klar, dass jede LED Lichtquelle f\u00fcr \u00f6ffentliche Beleuchtung f\u00fcr Insekten st\u00f6rend ist und dass eine gr\u00f6ssere Optik in fast jedem Fall eine h\u00f6here Anlockwirkung hat.<\/p>\n<blockquote><p>Publikation in Vorbereitung<br \/>\nBolliger et al.<\/p><\/blockquote>\n<p>Felix Liechti schliesslich fasste die Einfl\u00fcsse von Licht auf die Vogelwelt zusammen.<br \/>\nHohe erleuchtete Geb\u00e4ude irritieren die Zugv\u00f6gel. Auch kann das Landeverhalten der V\u00f6gel beeinflusst werden. Und Brutv\u00f6gel verschieben ihre Aktivit\u00e4ten oder ihren Gesang, wenn sie Lichtquellen ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Er pl\u00e4dierte daf\u00fcr, dass man hohe Strukturen nicht zur Falle f\u00fcr Zugv\u00f6gel werden l\u00e4sst, und dass Feuchtgebiete und Gew\u00e4sser im Dunklen belassen werden.<\/p>\n<p>Er rief in Erinnerung, dass jede Beleuchtung im Aussenraum einen Einfluss auf die Natur hat, und daher der Einsatz immer im Verh\u00e4ltnis zum tats\u00e4chlichen Nutzen stehen muss.<\/p>\n<blockquote><p>Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht<br \/>\n&lt;<a href=\"https:\/\/vogelglas.vogelwarte.ch\/assets\/files\/broschueren\/Glasbroschuere_2022_D.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/vogelglas.vogelwarte.ch\/assets\/files\/broschueren\/Glasbroschuere_2022_D.pdf<\/a>&gt;<\/p><\/blockquote>\n<p>In der abschliessenden Diskussion waren die anwesenden Lichtplaner, Elektroplaner und Dark-Sky Switzerland sich einig, dass die verf\u00fcgbare Technologie bereits jetzt gute und vern\u00fcnftige L\u00f6sungen erlaubt, und dass es auch brauchbare Industriestandards im Markt gibt. Im Gegensatz zu unserem Fortschrittsglauben sp\u00fcrt man den Willen des Bundes leider nicht, solche guten L\u00f6sungen auch innert n\u00fctzlicher Frist einzufordern. So bleibt es derzeit an privater oder beh\u00f6rdlicher Initiative h\u00e4ngen, ob Projekte nachhaltig f\u00fcr \u00d6kologie, Umwelt und Gesundheit ausgef\u00fchrt werden, oder ob das kurzfristige wirtschaftliche Interesse im Vordergrund steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle Agroscope: &lt;https:\/\/www.agroscope.admin.ch\/agroscope\/de\/home\/aktuell\/newsroom\/2021\/03-17_naechtliche-beleuchtung\/praesentationen.html&gt; Nach der Begr\u00fcssung durch Eva Knop und nach einer obligatorischen Panne mit der Software informierte Lukas Schuler \u00fcber den Trend der Lichtverschmutzung und Annahmen von Dark-Sky Switzerland zur laufenden Entwicklung. Er machte klar, dass leider die erfreulichen leichten Reduktionen von 2020 teils nur tempor\u00e4r sind (z.B. 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