

{"id":13992,"date":"2023-01-19T19:32:29","date_gmt":"2023-01-19T18:32:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.darksky.ch\/dsx\/?p=13992"},"modified":"2023-02-18T16:09:25","modified_gmt":"2023-02-18T15:09:25","slug":"science-sternbilder-ertrinken-in-der-lichtverschmutzung-in-alarmierender-geschwindigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/2023\/01\/science-sternbilder-ertrinken-in-der-lichtverschmutzung-in-alarmierender-geschwindigkeit\/","title":{"rendered":"Science \u2013 Sternbilder ertrinken in der Lichtverschmutzung in alarmierender Geschwindigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die neueste Studie mit Daten vom Citizen Science Projekt Globe at Night sagt:\u00a0In vielen Teilen der Welt \u00fcbert\u00fcncht die globale Lichtverschmutzung sogar markante Sternbilder wie Orion und es wird jedes Jahr schlimmer.<\/p>\n<p>Die weitreichendste Form von Lichtverschmutzung ist das Himmelsleuchten (Skyglow, das Hintergrundleuchten unz\u00e4hliger gestreuter Photonen in der Atmosph\u00e4re), das von den Lichtglocken \u00fcber Strassen, Werbedisplays, Schaufenstern, \u00a0und unz\u00e4hligen anderen k\u00fcnstlichen Lichtquellen herr\u00fchrt. Auch wenn Handmessger\u00e4te die Himmelshelligkeit \u00fcber jedem Ort messen k\u00f6nnen, gelang es Wissenschaftern bisher nicht, die Zunahme genau zu beziffern.<\/p>\n<p>Bisher hat man sich vor allem auf die VIIRS-Daten (Infrarot bildgebendes Radiometer) des Umweltsatelliten Suomi NPP abgest\u00fctzt (auch Dark-Sky Switzerland in den <a href=\"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/aktivitaeten\/nachtkarten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nachtkarten<\/a>), der \u00a0Tag- und Nachtbilder der Erde aufnimmt. <strong>2017 wurde aufgrund dieser Daten eine globale Zunahme um 2% pro Jahr vermutet.<\/strong><\/p>\n<p>Jedoch ist das Instrument blind in Richtung blaue Wellenl\u00e4ngen, die vor allem durch die LED Leuchten hinzugekommen sind. Ausserdem sieht man von oben vor allem das Licht, das direkt in den Weltraum entkommt, aber nicht das Licht, das in die Atmosph\u00e4re streut. Deshalb haben viele Forscher vermutet, dass die 2% Sch\u00e4tzung eine Untertreibung war.<\/p>\n<p>Um es genauer zu wissen, hat Christopher Kyba, Physiker am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) sich einem der \u00e4ltesten Gebiete der Menschheit zugewandt: Sterngucken. Er hat sich mit Globe at Night zusammengesetzt. \u00dcber ein Jahrzehnt hat Globe at Night weltweit die Teilnehmer gefragt, den Himmel von Auge zu beobachten und die Sternbilder zu erfassen wie sie sie sehen k\u00f6nnen. Diese Messungen zeichnen immer die Grenze des Sichtbaren auf, an jedem Ort in jeder Nacht, wo gemessen wird.<\/p>\n<p>Von 2011 bis 2022 durch Freiwillige gemachte 51351 Beobachtungen,\u00a0haben Kyba und Mitarbeiter analysiert und mit den satellitenbasierten Karten der Lichtverschmutzung \u00fcber denselben Zeitraum verglichen. So wurde verstanden, wieviel Himmelsaufhellung \u00fcber die Zeit in verschiedenen Teilen der Welt den Nachthimmel verschluckt. \u00abDas sei ein schlauer Ansatz,\u00bb meint John Barentine (DarkSky Enthusiast aus Arizona), \u00abweil keine Forschungsgruppe das Geld gehabt h\u00e4tte, weltweit so viele Messger\u00e4te aufzustellen, um ein \u00e4hnlich verl\u00e4ssliches Resultat zu erhalten.\u00bb<\/p>\n<p>In <strong>Europa und Nordamerika<\/strong>, wo die meisten Teilnehmer von Globe at Night leben, hat die <strong>Himmelsaufhellung um 6.5% und 10.4% pro Jahr zugenommen. <\/strong>siehe <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1126\/science.abq7781\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Science<\/a><\/p>\n<p>In sich entwickelnden L\u00e4ndern stehen zu wenig Datenpunkte zur Verf\u00fcgung, um eine verl\u00e4ssliche Aussage zu machen. Satellitenkarten lassen vermuten, dass dort die Zunahmen sogar schneller fortschreiten.<\/p>\n<div class=\"adplaceholder exists mb-4 d-inline-block\">\n<p>\u00abEs sei schockierend\u00bb, meint Kyba. \u00abSchlimmer als er bef\u00fcrchtet habe.\u00bb Wenn der Trend fortschreitet, werden Kinder, die heute unter einem \u00a0Himmel mit 250 Sternen geboren werden, bis zur Vollj\u00e4hrigkeit mit 18 nur noch h\u00f6chstens 100 davon sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Beobachtungen st\u00fctzen die steigenden Bef\u00fcrchtungen wie Kunstlicht die Tierwelt st\u00f6rt, sagt Eva Knop, \u00d6kologin an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich. Fr\u00fchere Studien zeigten dass sogar der schwache Lichtschein von St\u00e4dten in \u00a0Hunderten von Kilometern Entfernung Zugv\u00f6gel anlocken und zu Tode bringen kann, die R\u00e4uber-Beute Beziehung st\u00f6rt, Hormone durcheinander bringt, und in eine Vielzahl weitere biologische Vorg\u00e4nge eingreift. siehe z.B. <a href=\"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/2022\/12\/nachtfalter-2022\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nachtfalter 2022<\/a>\u00a0und Verweis auf die vollst\u00e4ndige Quelle bei <a href=\"https:\/\/www.darksky.org\/artificial-light-at-night-state-of-the-science-2022-report\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">darksky.org<\/a> (engl.).<\/p>\n<p>Das einfache z\u00e4hlen sichtbarer Sterne zur Bestimmung der Lichtverschmutzung k\u00f6nnte den Schutz gef\u00e4hrdeter Tierarten voranbringen, meint Ashley Wilson, Biologin bei DarkSky International. \u00abDas wird unsere Planungsstrategien beeinflussen, und die Beziehung von Nachbargemeinden zu den Schutzgebieten.\u00bb<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neueste Studie mit Daten vom Citizen Science Projekt Globe at Night sagt:\u00a0In vielen Teilen der Welt \u00fcbert\u00fcncht die globale Lichtverschmutzung sogar markante Sternbilder wie Orion und es wird jedes Jahr schlimmer. 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