

{"id":2403,"date":"1999-09-13T10:41:25","date_gmt":"1999-09-13T08:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.darksky.ch\/dsx\/de\/?p=2403"},"modified":"2016-09-13T21:53:16","modified_gmt":"2016-09-13T19:53:16","slug":"light-pollution-symposium-athen-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/1999\/09\/light-pollution-symposium-athen-1999\/","title":{"rendered":"Light Pollution Symposium Athen 1999"},"content":{"rendered":"<p>Athen, die Griechische Hauptstadt liegt nahe dem Mittelmeer und ist mit seiner Lichtabstrahlung auch auf Satellitenaufnahmen bei Nacht gut erkennbar. Der im Sommer h\u00e4ufige Smog bewirkt, dass dann meist gar keine Sterne mehr sichtbar sind. Was f\u00fcr ein kultureller Verlust dies ist, wird einem erst klar, wenn man nach langer Zeit wieder einmal den sternen\u00fcbers\u00e4ten Himmel sehen kann. Es erstaunt deshalb nicht, dass in Griechenland heute zunehmend st\u00e4rker erkannt wird, dass auch dieses &#8222;Gut&#8220; gesch\u00fctzt werden muss!<br \/>\nEin erster Eindruck am diesj\u00e4hrigen Light Pollution Symposium zeigt, dass deutlich mehr Frauen (Studentinnen) anwesend waren als M\u00e4nner. M\u00f6glicherweise nimmt man hier in Griechenland Lichtsmog heute mehr als reale (Licht-)Verschmutzung wahr als in der Schweiz. Es sind uns z.B. in diesem Zusammenhang einige Lampen (einige Dutzend) aufgefallen, die ziemlich wahllos direkt den Himmel &#8222;beleuchteten&#8220;, ohne weiter einen Nutzen zu zeigen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2407 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_lampe1.jpg\" alt=\"athen99_lampe1\" width=\"450\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_lampe1.jpg 450w, https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_lampe1-300x227.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 85vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Man erkennt auf dem Bild diverse nach oben gerichtete Halogenstrahler, die scheinbar wahllos gegen den Himmel strahlen &#8211; nicht einmal einfach dort, wo B\u00e4ume angepflanzt wurden<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2408 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_lampe2.jpg\" alt=\"athen99_lampe2\" width=\"300\" height=\"230\" \/><\/p>\n<p>Was uns hier auff\u00e4llt, ist die ungew\u00f6hnlich hohe Anzahl von nach oben gerichteten Lampen; die B\u00e4ume sind in der Nacht taghell erleuchten!<\/p>\n<p>Aus den interessanten Vortr\u00e4gen m\u00f6chten wir einige besonders hervorheben und in kurzen Zusammenfassungen darauf eingehen:<\/p>\n<p><strong>Vortrag von D. Crawford<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2409\" src=\"http:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_D._Crawford.jpg\" alt=\"athen99_d-_crawford\" width=\"150\" height=\"190\" \/>\u00a0Zwar war der Himmel \u00fcber Athen in diesen Tagen erstaunlich klar und man konnte in der Nacht sogar mehr als zwei Sterne sehen. Trotzdem ist der Himmel \u00fcber Athen recht hell erleuchtet, so dass bereits leichter Dunst eine f\u00fcr Sternenlicht undurchdringliche Barriere bildet.<br \/>\nWie in vielen grossen und leider auch schon kleinen St\u00e4dten hat diese unbedachte Lichtflut aber auch negative Folgen: Man muss letztlich die Fensterl\u00e4den schliessen, weil die Nacht in der Stadt zu hell ist, um schlafen zu k\u00f6nnen (dieses Problem hatten wir auch im Hotel). Zuviel Licht am falschen Ort ist auch nicht gut, weil wir nicht nur das sehen, was wir sehen wollen (in diesem Fall Sch\u00e4fchen?!) &#8211; Nacht ist nicht Tag&#8230;.<\/p>\n<p><strong>Vortrag von Prof. Percy<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2411\" src=\"http:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_Prof.Percy_.jpg\" alt=\"athen99_prof-percy\" width=\"150\" height=\"215\" \/>&#8222;Warum ist Astronomie n\u00fctzlich und sinnvoll&#8220;<br \/>\nDie historische Entwicklung unserer Gesellschaftsform und unseres allg. Wissens ist ganz wesentlich durch die Astronomie gepr\u00e4gt und auch bestimmt. Dadurch erlangt die Astronomie auch einen hohen praktischen Nutzen. Diese Tatsache droht heute leider in Vergessenheit zu geraten, was vermieden werden sollte.<br \/>\nEr empfiehlt deshalb, gerade auch an Volksschulen verschiedene astronomische Aktivit\u00e4ten zu f\u00f6rdern, so z.B.:<\/p>\n<ul>\n<li>Sternz\u00e4hlung im grossen Wagen<br \/>\nDieses Sternbild kennen die meisten Leute und ist das ganze Jahr sichtbar. So l\u00e4sst sich ganz einfach der Einfluss der n\u00e4chtlichen Beleuchtung zeigen.<\/li>\n<li>Lampentypen erforschen lassen und klassifizieren<br \/>\nMit ganz billigen Gitterspektrografen f\u00fcr ein paar Euro kann das jeder machen und der Einfluss auf un ser Nachtsehen damit bestimmen.<\/li>\n<li>Sozialwirtschaftliche Aspekte f\u00fcr Regierung und Hersteller erarbeiten<br \/>\nDies ist nat\u00fcrlich eine Arbeit, die sich eher an Hochschulen richtet, aber gerade auch an solchen Instituten kann sinnvolle Arbeit geleistet werden.<\/li>\n<li>Lampenverbreitung bestimmen<br \/>\nSo k\u00f6nnen Anzahl, Art und Dichte in Zusammenhang mit der Bev\u00f6lkerungsdichte interessante Aspekte aufzeigen, auch im Zusammenhang mit der \u00c4sthetik und dem gef\u00fchlsm\u00e4ssigem Nutzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Daten sind letztlich f\u00fcr uns und die Gesellschaft von Morgen von grossem Nutzen.<\/p>\n<p><strong>Vortrag C. Palici di Suni<\/strong><br \/>\n&#8222;Italiens Programm&#8220;<br \/>\nIm Umfeld der Sternwarte Turin wurden die gegenw\u00e4rtige Situation der Himmelsaufhellung aufgezeichnet. Diese Daten sind in einen Gesetzesentwurf zum Schutz des Nachthimmels um die Sternwarten in Italien eingeflossen. In den aufgelisteten Schutzgebietszonen m\u00fcssen Lampen neu den im Gesetz aufgef\u00fchrten Bestimmungen entsprechen.<br \/>\nNur so k\u00f6nnen diese Institute ihre Arbeit weiterverfolgen. Aber auch der Bev\u00f6lkerung kommt die bessere Nutzung des k\u00fcnstlichen Lichtes zu Gute, denn ein gut beleuchteter Weg muss ja keinesfalls gleichzeitig ein hell erleuchteter Himmel bedeuten, was die Gesellschaft letztlich nur Unmengen an Strom kostet.<\/p>\n<p><strong>verschiedene Vortr\u00e4ge Griechischer Studenten<\/strong><br \/>\nIn verschieden Kurzvortr\u00e4gen wurden einige Projekte vorgestellt, mit denen versucht wird, die Bev\u00f6lkerung auf dieses Thema aufmerksam zu machen und die Folgen aufzuzeigen.<br \/>\nBesonders Interessant ist eine Arbeit \u00fcber Schildkr\u00f6ten: die Best\u00e4nde sind in den letzten Jahrzehnten arg in Gefahr geraten: Der Grund ist so \u00fcberraschen wie die Abhilfe einfach: da die ausgeschl\u00fcpften Jungtiere tendenziell stark in Richtung Lichtquellen losmarschieren und dann am Land verenden, anstatt ins Meer zu kriechen!<br \/>\nAn verschiedenen Orten hat man bereits Abhilfe schaffen k\u00f6nnen, in dem man Lampen konsequent mit Farbe abschirmte. Neue Lampen m\u00fcssen heute deshalb entsprechend Abgeschirmt gebaut sein. Es bleibt zu hoffen, dass diese Interessante Tierart nicht auch noch aussterben wird!<\/p>\n<p><strong>Eine sehr interessante Arbeit wurde in Japan gemacht:<\/strong><br \/>\nSie haben die Energieleistung in Form von Licht errechnet, die j\u00e4hrlich in den Himmel abgestrahlt wird und daraus die Stromkosten errechnet, die dadurch nutzlos verloren gehen. Dies ist recht viel und die Zahlen m\u00f6gen erschrecken:<br \/>\nSo werden durchschnittlich \u00fcber rund 860 Millionen Kilowattstunden Strom in Form von Licht in den Himmel abgestrahlt. In Japan entspricht dies einem finanziellen Aufwand von umgerechnet etwa 1750 Millionen Euro an direkten Stromkosten!<\/p>\n<p>Nach vorsichtigen Sch\u00e4tzungen ergeben sich f\u00fcr die Schweiz folgende Zahlen:<br \/>\nDie j\u00e4hrliche Abstrahlung in Form von Licht in den Himmel betr\u00e4gt rund 51 Millionen Kilowattstunden. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass davon mindestens 2\/3 in Form von <em>nicht abgeschirmten, bzw. unzureichend abgeschirmten<\/em> Lichtquellen stammt. Es bleiben also rund 34 Millionen Kilowattstunden Stromverbrauch, die nicht nur vermieden werden k\u00f6nnten, sondern auch dazu dienen w\u00fcrden, die gew\u00fcnschten Objekte besser zu beleuchten! Oder anders Ausgedr\u00fcckt: der Volkswirtschaft gehen allein in der Schweiz j\u00e4hrlich etwa 7 Millionen Franken (bzw. 4.3 Millionen Euro) an direkten Stromkosten dadurch verloren, dass anstelle des gew\u00fcnschten Objektes einfach der Himmel beleuchtet wird.<\/p>\n<p>Darin noch <em>nicht<\/em> eingerechnet sind die Kosten, die zwangsl\u00e4ufig entstehen, das eine Lichtquelle und deren Versorgung in dem Masse st\u00e4rker (und dadurch kostenintensiver) ausgelegt werden muss, wie auch Licht sinnlos ungenutzt abgestrahlt wird! Man muss deshalb auch in der Schweiz mit deutlich h\u00f6heren Unkosten rechnen &#8211; notabene <em>ohne<\/em> dass dadurch die gew\u00fcnschten Objekte dunkler beleuchtet w\u00e4ren.<br \/>\n<strong>Angegliederte Ausstellung<br \/>\n<\/strong>Im Rahmen der angegliederten Ausstellung wurde vor allem Bildmaterial von den verschiedenen Arbeiten vorgestellt. Eine sehr interessante kleine Arbeit m\u00f6chte ich hier noch hervorheben:<br \/>\nMit einfachsten Mittel wurde ein Modell realisiert, dass anschaulich die Wirkung von verschiedenen Lampentypen zeigt: Strassen, H\u00e4user, Parks und Werbung sind jeweils immerabwechslungsweise von zwei verschiedenen Lampen erhellt, immer je eine offene und eine abgeschirmte. Diese Lampen k\u00f6nnen abwechslungsweise ein- und ausgeschaltet werden. Der Effekt ist frappant, den entweder blenden die Gl\u00fchlampen direkt oder aber man sieht nur die erhellten Objekte &#8211; daf\u00fcr diese um vieles besser, obschon immer die gleiche Lichtst\u00e4rke eingesetzt wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2412 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_Modellstadt.jpg\" alt=\"athen99_modellstadt\" width=\"450\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_Modellstadt.jpg 450w, https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/wp-content\/uploads\/1999\/09\/athen99_Modellstadt-300x227.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 85vw, 450px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Modellstadt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Athen, die Griechische Hauptstadt liegt nahe dem Mittelmeer und ist mit seiner Lichtabstrahlung auch auf Satellitenaufnahmen bei Nacht gut erkennbar. 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