

{"id":2431,"date":"2000-06-01T10:33:28","date_gmt":"2000-06-01T08:33:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.darksky.ch\/dsx\/de\/?p=2431"},"modified":"2016-09-13T23:11:48","modified_gmt":"2016-09-13T21:11:48","slug":"lichtverschmutzung-wenn-die-sterne-verschwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/2000\/06\/lichtverschmutzung-wenn-die-sterne-verschwinden\/","title":{"rendered":"Lichtverschmutzung &#8211; wenn die Sterne verschwinden"},"content":{"rendered":"<p><em>von Patrik Schellenbauer, Guido Schwarz<\/em><\/p>\n<p>In st\u00e4dtischen Gebieten sind von blossem Auge nur noch wenige Sterne am Himmel auszumachen. Daf\u00fcr verantwortlich ist nicht die Luftverschmutzung, sondern die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch schlechte Beleuchtungsk\u00f6rper. Die Organisation &#8222;Dark-Sky Switzerland&#8220; k\u00e4mpft gegen die &#8222;Lichtverschmutzung&#8220;.<\/p>\n<p>Es mag paradox klingen: Obwohl wir heute \u00fcber ein gewaltiges Wissen \u00fcber den Aufbau des Universums verf\u00fcgen, entfernen wir uns in unserem Alltag immer mehr vom gestirnten Himmel, unserem direkten Fenster ins All. W\u00e4hrend der Anblick der Milchstrasse noch vor 100 Jahren den meisten Menschen vertraut war, geh\u00f6rt dieses majest\u00e4tische Bild heute bei einem Grossteil der Bev\u00f6lkerung nicht mehr zum Erfahrungsschatz. Woran liegt dies? Aber gerade eine Errungenschaft der modernen Zeit &#8211; n\u00e4mlich die elektrische Beleuchtung &#8211; ist zur Hauptsache daf\u00fcr verantwortlich. Die im Vergleich mit anderen G\u00fctern immer billigere Energie sowie eine dramatische Effizienzsteigerung der Beleuchtungsk\u00f6rper haben dazu gef\u00fchrt, dass wir zu beinahe vernachl\u00e4ssigbaren Kosten unsere H\u00e4user, Strassen, Siedlungen und Industriebauten beleuchten. Zweifellos hat dies unser Leben wesentlich angenehmer gemacht, die Nachteile werden aber bisher nur von wenigen wahrgenommen: der Sternenhimmel droht in der Flut von k\u00fcnstlicher Beleuchtung unterzugehen.<\/p>\n<p><strong>Licht wird durch Atmosph\u00e4re gestreut<br \/>\n<\/strong>Nat\u00fcrlich kann man sich immer noch auf eine Wiese zur\u00fcckziehen, um die Sterne zu beobachten. Das Problem besteht aber nicht so sehr in der direkten Blendung durch k\u00fcnstliche Lichtquellen. Dieser kann man sich entziehen. Die schleichende Zerst\u00f6rung eines dunklen Himmels entsteht dadurch, dass Licht, welches nach oben strahlt, nicht einfach in das All entweicht, sondern vorher an den Molek\u00fclen der Atmosph\u00e4re gestreut wird. So entsteht ein diffuses Leuchten, das die Objekte des Himmels vermehrt \u00fcberstrahlt. Die meist hohe Luftfeuchtigkeit in unseren Breiten verst\u00e4rkt diesen Effekt. Hinzu kommt, dass sich das Siedlungsgebiet noch immer ausdehnt, die Quellen dieses unerw\u00fcnschten Streulichts also immer fl\u00e4chendeckender werden. In der Astronomie wird dieses Ph\u00e4nomen als &#8222;Lichtverschmutzung&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Abblenden statt blenden!<\/strong><br \/>\nDas einzig Erfreuliche an dieser weitgehend unbekannten Form der Umweltverschmutzung besteht darin, dass sie grunds\u00e4tzlich reversibel ist, indem weniger und vor allem sinnvoller beleuchtet wird. Nat\u00fcrlich kann das Rezept nicht darin bestehen, k\u00fcnstliche Beleuchtung zu verbieten oder drastisch einzuschr\u00e4nken. Es gibt aber einfache und kosteng\u00fcnstige Massnahmen, die einen Beitrag zur Reduktion der Lichtverschmutzung leisten. Allzu viele Beleuchtungen in unseren Siedlungen sind schlecht oder gar nicht abgeschirmt. Diese Beleuchtungen richten das Licht nicht an den Ort, an dem es eigentlich gebraucht wird, sondern zur Seite oder direkt nach oben. Ein typisches Beispiel hierf\u00fcr sind die Kugellampen. Nicht abgeschirmte Beleuchtungen wirken dem prim\u00e4ren Ziel der Beleuchtung, n\u00e4mlich der Sicherheit, entgegen, da sie mehr blenden statt beleuchten. Machen Sie die Probe aufs Exempel!<\/p>\n<p><strong>Von oben statt von unten<br \/>\n<\/strong>Bei Industrie- und Gewerbebauten geh\u00f6rt es mittlerweile zum guten Ton, sie w\u00e4hrend der ganzen Nacht zu beleuchten, um auf eine originelle Architektur aufmerksam zu machen oder auch nur einen Namenszug zu betonen. Leider geschieht auch dies allzu oft in schlechter Weise, indem die Fassaden mit starken Spotlampen von unten angestrahlt werden. Die Lichtb\u00fcndel werden an den Geb\u00e4udew\u00e4nden reflektiert und strahlen in sehr steilem Winkel nach oben ab. In den Industrie- und Gewerbezonen und entlang den Autobahnen lassen sich Dutzende solcher Beispiele finden. Auch unz\u00e4hlige \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, darunter viele Kirchen und historische Bauwerke, werden von unten und damit schlecht beleuchtet. Eine Verbesserung f\u00fcr den Himmel kann mit relativ einfachen Mitteln erzielt werden. Der beinahe identische Beleuchtungseffekt l\u00e4sst sich n\u00e4mlich erzielen, indem die Fassaden von oben herab angestrahlt werden, so dass die abgelenkten Lichtb\u00fcndel auf den Boden strahlen. So wird ein Grossteil der Lichtverschmutzung vermieden.<\/p>\n<p><strong>Gute Beleuchtung: vierfacher Vorteil<br \/>\n<\/strong>Gezielteres Beleuchten bringt im \u00fcbrigen auch \u00f6konomische Vorteile mit sich, indem ein betr\u00e4chtlicher Teil der f\u00fcr Licht aufgewendeten Energie eingespart werden kann. Dies aus dem einfachen Grund, weil kein Licht mehr nutzlos nach oben oder zur Seite verpufft. Ausserdem sind lichtverschmutzungsarme Lampen kosteng\u00fcnstiger in der Wartung. So erbringt der sinnvollere Einsatz von k\u00fcnstlicher Beleuchtung eine vierfache Dividende in Form von finanziellen Vorteilen, erh\u00f6hter Sicherheit, der Erhaltung des Sternenhimmels, sowie \u00f6kologischen Verbesserungen (siehe unten). Der finanzielle Gewinn einer effizienteren Aussenbeleuchtung reicht indessen nicht aus, um einen gen\u00fcgenden Anreiz \u00fcber das Portemonnaie herbeizuf\u00fchren, der zur Verbesserung der Situation beitr\u00e4gt. Es muss daher vorher ein Umdenken stattfinden. Aber der konkrete \u00f6konomische Druck fehlt in der Schweiz. Um so mehr ist der bewusstere Umgang mit k\u00fcnstlicher Beleuchtung gefragt &#8211; von uns allen! (ps\/gs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Patrik Schellenbauer, Guido Schwarz In st\u00e4dtischen Gebieten sind von blossem Auge nur noch wenige Sterne am Himmel auszumachen. Daf\u00fcr verantwortlich ist nicht die Luftverschmutzung, sondern die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch schlechte Beleuchtungsk\u00f6rper. Die Organisation &#8222;Dark-Sky Switzerland&#8220; k\u00e4mpft gegen die &#8222;Lichtverschmutzung&#8220;. 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