

{"id":2451,"date":"1999-11-15T09:15:35","date_gmt":"1999-11-15T08:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.darksky.ch\/dsx\/de\/?p=2451"},"modified":"2016-12-28T21:39:06","modified_gmt":"2016-12-28T20:39:06","slug":"sag-mir-wo-die-sterne-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.darksky.ch\/dss\/de\/1999\/11\/sag-mir-wo-die-sterne-sind\/","title":{"rendered":"Sag\u00b4 mir wo die Sterne sind&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8230;wo sind sie geblieben? Die Sterne ertrinken im Lichtermeer der St\u00e4dte.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Rainer Kayser <\/em>\u2013 im Original erschienen in der MorgenWelt Wissenschaft am 15.11.1999<\/p>\n<p>Der Anblick des funkelnden Sternenhimmels, durchzogen vom schimmernden Band der Milchstra\u00dfe, ist den meisten Menschen heutzutage lediglich w\u00e4hrend einer Urlaubsreise verg\u00f6nnt. In der Gro\u00dfstadt bleibt er den Menschen vorenthalten. Gro\u00dfstadtkinder lernen die Sternbilder heute allenfalls nur noch im Planetarium kennen. W\u00e4hrend sich n\u00e4mlich in dunkler Nacht unter guten Sichtbedingungen einige Tausend Sterne mit dem blo\u00dfen Auge erkennen lassen, sind es in den st\u00e4dtischen Ballungsr\u00e4umen oft gerade einmal ein Dutzend. Die Sterne ertrinken f\u00f6rmlich im Lichtermeer der St\u00e4dte: gegen Stra\u00dfenbeleuchtung, Flutlichtanlagen und Leuchtreklame haben sie kaum eine Chance.<\/p>\n<p>Manche Kinder wollen denn auch partout nicht glauben, dass die ihnen im Planetarium gebotene &#8222;Lightshow&#8220; eine naturgetreue Darstellung des Sternenhimmels ist. Freilich &#8211; so ganz unschuldig sind auch die Planetarien-Betreiber an diesem Missverst\u00e4ndnis nicht, versuchen sie doch allzu h\u00e4ufig, das Hollywood-verw\u00f6hnte Publikum mit aufw\u00e4ndigen Spezialeffekten zu begeistern. Die Trennung zwischen Fiktion und Fakten f\u00e4llt da nicht nur Kindern schwer. Und damit vertut man dann oft auch die Chance, den Planetariumsbesuchern zu vermitteln, welch kulturellen Verlust die exzessive Stadtbeleuchtung mit sich bringt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die professionellen Sternenforscher vor der Lichterflut mit ihren teuren Instrumenten in Gegenden fernab der Zivilisation fl\u00fcchten &#8211; etwa an die Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte in Chile -, wird den Hobby-Astronomen das Leben zusehends schwerer gemacht. &#8222;Im Schweizer Mittelland ist es als Amateur heute schon schwierig, etwas Sinnvolles zu machen,&#8220; klagt Patrik Schellenbauer von der Organisation Dark Sky Switzerland (DSS). Schw\u00e4cher leuchtende Galaxien seien kaum noch aufzusp\u00fcren.<\/p>\n<p>Doch seit einigen Jahren beginnt sich Widerstand zu regen gegen die ausufernde Beleuchtung. Vor zehn Jahren gr\u00fcndete David Crawford von der Kitt Peak Sternwarte in Arizona die International Dark-Sky Association (IDA), in der Amateur- und Profi-Astronomen gemeinsam mit Lichttechnikern und Architekten f\u00fcr die Rettung der n\u00e4chtlichen Dunkelheit k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>In der Folge bildeten sich in aller Welt nationale Gruppierungen, wie etwa &#8222;Dark Sky Switzerland&#8220;, die sich bem\u00fchen, das Problem der &#8222;Lichtverschmutzung&#8220; \u00fcberhaupt erst einmal in das Bewusstsein der Menschen zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>Mehr Licht n\u00e4mlich, bedeutet f\u00fcr viele Menschen zumeist schlicht: mehr Sicherheit. Doch der Schein tr\u00fcgt, wei\u00df Patrik Schellenbauer zu berichten: &#8222;So, wie heute beleuchtet wird, steht das dem legitimen Sicherheitsbed\u00fcrfnis der B\u00fcrger oft genug entgegen.&#8220; Anstatt dunkle Ecken auszuleuchten, beleuchtet ein Gro\u00dfteil des Lichtes den Himmel, weil die Lichtquellen h\u00e4ufig nach oben hin ausgerichtet sind. Der unangenehme Nebeneffekt: Die Menschen werden geblendet &#8211; und sehen dadurch schlechter, als dies bei schw\u00e4cherer, gut abgeschirmter Beleuchtung der Fall w\u00e4re. Auch bei der Stra\u00dfenbeleuchtung bedeutet weniger (Licht) oft mehr (an Wirkung): Zuviel Beleuchtung, so belegen Studien aus den USA, wiegt Autofahrer in Sicherheit und verf\u00fchrt zu schnellerem, risikofreudigerem Fahren.<\/p>\n<p>J\u00fcngstes \u00c4rgernis am n\u00e4chtlichen Himmel sind die &#8222;Sky Beamer&#8220;. &#8222;Und die werden nicht mehr nur bei Techno-Parties installiert &#8211; heute wollen die Leute bei jedem Feuerwehrfest einen Sky Beamer haben!&#8220; schimpft Schellenbauer.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch Positives zu berichten. Dank der Lobbyarbeit der IDA haben zahlreiche amerikanische St\u00e4dte &#8211; vorneweg das nahe der Kitt Peak Sternwarte gelegene Tucson &#8211; strikte Auflagen f\u00fcr Au\u00dfenbeleuchtungen erlassen. Selbst Gro\u00dfst\u00e4dte wie Los Angeles und Denver sind dabei, ihre Stra\u00dfenbeleuchtungen nach oben abzuschirmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr internationales Aufsehen sorgte auch der Umweltausschuss der Stadt Augsburg, der vor zwei Jahren einen ganzen Ma\u00dfnahmenkatalog zur Rettung des dunklen Nachthimmels verabschiedete: Bis zum Jahr 2005, so die Forderung, sollte die gesamte Au\u00dfenbeleuchtung der Stadt &#8222;himmelsfreundlich&#8220; sein. Zwar mokierte sich die \u00f6rtliche Presse: &#8211; &#8222;Motten, M\u00fccken und was sonst noch nachtaktiv unterwegs ist, soll sich k\u00fcnftig beim schummrigen Schein von Natriumdampflampen munter weitervermehren&#8220;, hie\u00df es in der Augsburger Allgemeinen -, doch in der Stadtverwaltung lie\u00df man sich nicht beirren: die Ma\u00dfnahmen werden Punkt f\u00fcr Punkt umgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;wo sind sie geblieben? 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