Light Pollution Symposium Athen 1999

Athen, die Griechische Hauptstadt liegt nahe dem Mittelmeer und ist mit seiner Lichtabstrahlung auch auf Satellitenaufnahmen bei Nacht gut erkennbar. Der im Sommer häufige Smog bewirkt, dass dann meist gar keine Sterne mehr sichtbar sind. Was für ein kultureller Verlust dies ist, wird einem erst klar, wenn man nach langer Zeit wieder einmal den sternenübersäten Himmel sehen kann. Es erstaunt deshalb nicht, dass in Griechenland heute zunehmend stärker erkannt wird, dass auch dieses „Gut“ geschützt werden muss!
Ein erster Eindruck am diesjährigen Light Pollution Symposium zeigt, dass deutlich mehr Frauen (Studentinnen) anwesend waren als Männer. Möglicherweise nimmt man hier in Griechenland Lichtsmog heute mehr als reale (Licht-)Verschmutzung wahr als in der Schweiz. Es sind uns z.B. in diesem Zusammenhang einige Lampen (einige Dutzend) aufgefallen, die ziemlich wahllos direkt den Himmel „beleuchteten“, ohne weiter einen Nutzen zu zeigen.
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Man erkennt auf dem Bild diverse nach oben gerichtete Halogenstrahler, die scheinbar wahllos gegen den Himmel strahlen – nicht einmal einfach dort, wo Bäume angepflanzt wurden

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Was uns hier auffällt, ist die ungewöhnlich hohe Anzahl von nach oben gerichteten Lampen; die Bäume sind in der Nacht taghell erleuchten!

Aus den interessanten Vorträgen möchten wir einige besonders hervorheben und in kurzen Zusammenfassungen darauf eingehen:

Vortrag von D. Crawford

athen99_d-_crawford Zwar war der Himmel über Athen in diesen Tagen erstaunlich klar und man konnte in der Nacht sogar mehr als zwei Sterne sehen. Trotzdem ist der Himmel über Athen recht hell erleuchtet, so dass bereits leichter Dunst eine für Sternenlicht undurchdringliche Barriere bildet.
Wie in vielen grossen und leider auch schon kleinen Städten hat diese unbedachte Lichtflut aber auch negative Folgen: Man muss letztlich die Fensterläden schliessen, weil die Nacht in der Stadt zu hell ist, um schlafen zu können (dieses Problem hatten wir auch im Hotel). Zuviel Licht am falschen Ort ist auch nicht gut, weil wir nicht nur das sehen, was wir sehen wollen (in diesem Fall Schäfchen?!) – Nacht ist nicht Tag….

Vortrag von Prof. Percy

athen99_prof-percy„Warum ist Astronomie nützlich und sinnvoll“
Die historische Entwicklung unserer Gesellschaftsform und unseres allg. Wissens ist ganz wesentlich durch die Astronomie geprägt und auch bestimmt. Dadurch erlangt die Astronomie auch einen hohen praktischen Nutzen. Diese Tatsache droht heute leider in Vergessenheit zu geraten, was vermieden werden sollte.
Er empfiehlt deshalb, gerade auch an Volksschulen verschiedene astronomische Aktivitäten zu fördern, so z.B.:

  • Sternzählung im grossen Wagen
    Dieses Sternbild kennen die meisten Leute und ist das ganze Jahr sichtbar. So lässt sich ganz einfach der Einfluss der nächtlichen Beleuchtung zeigen.
  • Lampentypen erforschen lassen und klassifizieren
    Mit ganz billigen Gitterspektrografen für ein paar Euro kann das jeder machen und der Einfluss auf un ser Nachtsehen damit bestimmen.
  • Sozialwirtschaftliche Aspekte für Regierung und Hersteller erarbeiten
    Dies ist natürlich eine Arbeit, die sich eher an Hochschulen richtet, aber gerade auch an solchen Instituten kann sinnvolle Arbeit geleistet werden.
  • Lampenverbreitung bestimmen
    So können Anzahl, Art und Dichte in Zusammenhang mit der Bevölkerungsdichte interessante Aspekte aufzeigen, auch im Zusammenhang mit der Ästhetik und dem gefühlsmässigem Nutzen.

Diese Daten sind letztlich für uns und die Gesellschaft von Morgen von grossem Nutzen.

Vortrag C. Palici di Suni
„Italiens Programm“
Im Umfeld der Sternwarte Turin wurden die gegenwärtige Situation der Himmelsaufhellung aufgezeichnet. Diese Daten sind in einen Gesetzesentwurf zum Schutz des Nachthimmels um die Sternwarten in Italien eingeflossen. In den aufgelisteten Schutzgebietszonen müssen Lampen neu den im Gesetz aufgeführten Bestimmungen entsprechen.
Nur so können diese Institute ihre Arbeit weiterverfolgen. Aber auch der Bevölkerung kommt die bessere Nutzung des künstlichen Lichtes zu Gute, denn ein gut beleuchteter Weg muss ja keinesfalls gleichzeitig ein hell erleuchteter Himmel bedeuten, was die Gesellschaft letztlich nur Unmengen an Strom kostet.

verschiedene Vorträge Griechischer Studenten
In verschieden Kurzvorträgen wurden einige Projekte vorgestellt, mit denen versucht wird, die Bevölkerung auf dieses Thema aufmerksam zu machen und die Folgen aufzuzeigen.
Besonders Interessant ist eine Arbeit über Schildkröten: die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten arg in Gefahr geraten: Der Grund ist so überraschen wie die Abhilfe einfach: da die ausgeschlüpften Jungtiere tendenziell stark in Richtung Lichtquellen losmarschieren und dann am Land verenden, anstatt ins Meer zu kriechen!
An verschiedenen Orten hat man bereits Abhilfe schaffen können, in dem man Lampen konsequent mit Farbe abschirmte. Neue Lampen müssen heute deshalb entsprechend Abgeschirmt gebaut sein. Es bleibt zu hoffen, dass diese Interessante Tierart nicht auch noch aussterben wird!

Eine sehr interessante Arbeit wurde in Japan gemacht:
Sie haben die Energieleistung in Form von Licht errechnet, die jährlich in den Himmel abgestrahlt wird und daraus die Stromkosten errechnet, die dadurch nutzlos verloren gehen. Dies ist recht viel und die Zahlen mögen erschrecken:
So werden durchschnittlich über rund 860 Millionen Kilowattstunden Strom in Form von Licht in den Himmel abgestrahlt. In Japan entspricht dies einem finanziellen Aufwand von umgerechnet etwa 1750 Millionen Euro an direkten Stromkosten!

Nach vorsichtigen Schätzungen ergeben sich für die Schweiz folgende Zahlen:
Die jährliche Abstrahlung in Form von Licht in den Himmel beträgt rund 51 Millionen Kilowattstunden. Wir können davon ausgehen, dass davon mindestens 2/3 in Form von nicht abgeschirmten, bzw. unzureichend abgeschirmten Lichtquellen stammt. Es bleiben also rund 34 Millionen Kilowattstunden Stromverbrauch, die nicht nur vermieden werden könnten, sondern auch dazu dienen würden, die gewünschten Objekte besser zu beleuchten! Oder anders Ausgedrückt: der Volkswirtschaft gehen allein in der Schweiz jährlich etwa 7 Millionen Franken (bzw. 4.3 Millionen Euro) an direkten Stromkosten dadurch verloren, dass anstelle des gewünschten Objektes einfach der Himmel beleuchtet wird.

Darin noch nicht eingerechnet sind die Kosten, die zwangsläufig entstehen, das eine Lichtquelle und deren Versorgung in dem Masse stärker (und dadurch kostenintensiver) ausgelegt werden muss, wie auch Licht sinnlos ungenutzt abgestrahlt wird! Man muss deshalb auch in der Schweiz mit deutlich höheren Unkosten rechnen – notabene ohne dass dadurch die gewünschten Objekte dunkler beleuchtet wären.
Angegliederte Ausstellung
Im Rahmen der angegliederten Ausstellung wurde vor allem Bildmaterial von den verschiedenen Arbeiten vorgestellt. Eine sehr interessante kleine Arbeit möchte ich hier noch hervorheben:
Mit einfachsten Mittel wurde ein Modell realisiert, dass anschaulich die Wirkung von verschiedenen Lampentypen zeigt: Strassen, Häuser, Parks und Werbung sind jeweils immerabwechslungsweise von zwei verschiedenen Lampen erhellt, immer je eine offene und eine abgeschirmte. Diese Lampen können abwechslungsweise ein- und ausgeschaltet werden. Der Effekt ist frappant, den entweder blenden die Glühlampen direkt oder aber man sieht nur die erhellten Objekte – dafür diese um vieles besser, obschon immer die gleiche Lichtstärke eingesetzt wird.

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Modellstadt