Le Monde diplomatique (deutsch) – Es werde Nacht

Wider die Lichtverschmutzung

Wie Nanopartikel, Giftmüll oder hormonaktive Substanzen schädigt auch künstliches Licht ab einer bestimmten Konzentration die Umwelt. Heute ist es in den Industrieländern nachts zehnmal heller als noch vor 50 Jahren. Die Zugvögel ziehen zu früh in ihre Sommerquartiere oder fliegen bis zur tödlichen Erschöpfung um die Lichtglocken, die nachts über den großen Städten hängen. Ähnlich geht es vielen Insekten. Bei den Pflanzen verzögert zu starkes Kunstlicht die biochemischen Prozesse, mit denen sie sich auf den Winter vorbereiten. Und der Mensch kann nicht schlafen, weil sein Körper durch die Lichtverschmutzung zu wenig Melatonin produziert.

» Es werde Nacht (pdf)

 

So unnatürlich hell ist nachts die Schweiz!

An jedem frühen Morgen misst der Umweltsatellit Suomi NPP die Lichtquellen auf der gesamten Erde. Der fleissige amerikanische Umweltsatellit arbeitet schon seit April  2012, Tag für Tag. NOAA sammelt Daten, «um unseren dynamischen Planeten zu überwachen und zu verstehen», wie auf der NOAA-Website zu lesen ist.

Der Schweizer Naturwissenschafter Lukas Schuler hat eine Lücke geschlossen und aufgrund dieser Daten neue Karten entwickelt, welche die nächtliche (Kunst-)Lichtbelastung in der ganzen Schweiz auf einer intensiven Farbskala eindrücklich darstellen. So lassen sich auch Vergleiche zwischen früheren Jahren und heute durch signifikante Trendanalysen professionell belegen.

Signifikante Zu- oder Abnahmen der Lichtstärken lassen sich in der Mehrzahl auf Grossbaustellen und neue Infrastrukturen, aber auch auf (Winter-)Tourismus und die zahlreichen Umrüstungen auf besser abgeschirmte LED, bzw. intelligentes Licht zurückführen.

Dies ist bedeutsam, wenn es um die zunehmende Lichtverschmutzung geht, die Tiere und Pflanzen schädigen – und für Menschen enorm störend sein kann. Gerade in Zusammenhang mit dem alarmierenden Insektensterben werden die gefährlichen Auswirkungen von Lichtverschmutzung derzeit immer bewusster wahrgenommen.

Die Herausforderung war, die physikalisch gemessene Strahldichte in etwas Einleuchtendes umzurechnen, das jeder Mensch kennt.
So wird nun das Licht ausgedrückt: als minimale Anzahl Vollmonde, die nötig wäre, um dieselbe Lichtstärke pro Fläche zu erzielen.

Der Verein Dark-Sky Switzerland, der sich schon seit über 20 Jahren für das Dunkel der Nacht engagiert, wird künftig auf seiner Website jährlich eine deckungsgleiche Nachtkarte publizieren.

Quelle: Dark-Sky Switzerland / Angebote / Nachtkarten

Methode: Wissenschaftliche Publikation vom 11. Juli 2018

 

SRF 10vor10 – Serie Rastlos – Die 24-Stunden-Gesellschaft (Teil 2)

Vielerorts ist es selbst nachts fast taghell. Für die Tiere ein grosses Problem, wie die Schweizer Forscherin Eva Knop am Verhalten von Insekten festgestellt hat. Dass es nachts auch mit viel weniger Licht geht, zeigt die Gemeinde Fläsch (GR). Darüber freuen sich dort nicht zuletzt die Fledermäuse.

» Serie Rastlos – Die 24-Stunden-Gesellschaft (Teil 2)

 

26. September 2019 – Lichterlöschen im Grossraum Genf

Am kommenden 26. September findet im Grossraum Genf, zu dem der Kanton Genf, die benachbarten französischen Gemeinden und die Gemeinden im westlichen Waadtländer Raum gehören, eine für Europa bisher einzigartige Veranstaltung statt.

Auf Anregung der Genfer Astronomischen Gesellschaft und des Genfer Naturkundemuseums werden mehr als 100 Gemeinden ihre öffentliche Beleuchtung bei Einbruch der Dunkelheit nicht einschalten, um das Problem der Lichtverschmutzung aufzuzeigen.

Vor Ort kann jeder den Sternenhimmel von der Stadt aus geniessen und die Relevanz der öffentlichen Beleuchtung in seiner Gemeinde beurteilen, wobei in einigen Gemeinden Aktivitäten geplant sind. Notieren Sie sich diesen einmaligen Termin in Ihrem Kalender.

» Weitere Informationen zur Veranstaltung (auf französisch)